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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 2 (1863) · p. Seite 95

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
2 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 95 (sequence 15)
Language
German
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11. Chalizah. 95 und nach der alten Halachah als ein vor anerkannten Richtern zu vollziehender festgestellt war, von der jüngeren Halachah, als deren Repräsentant sich wieder Akiba zeigt, der gerichtlichen Feierlichkeit entkleidet ward. Noch eine andere damit zusammenhängende Abweichung wird von dieser sanctionirt. So lange nämlich die Chalizah mit einer Anklage des Schwagers vor Gericht von Seiten der Wittwe begann, so war cs in der Ordnung, daß diese, wenn durch die ungebrochene Weigerung des Schwagers die Anklage fruchtlos geblieben, nicht blos durch das Ausziehen von dessen Schuhe ihre Selbstständigkeit sich erwarb, sondern sich auch von dem Schwager beschimpft betrachten mußte, und zum Entgelt siir diesen Schimpf ihm ins Angesicht spuckte. War jedoch nach späterer Auffassung die Chalizah blos eine Eigenthunis-Entä'ußerung von Seiten des Schwagers, die durch Ausziehenlassen des Schuhes symbolisch ausgedrückt wurde, so war die Frau nicht beschimpft und sie hatte auch nicht nöthig, zur Rettung ihrer Ehre dem Schwager ins Angesicht zu spucken. Damit steht wohl im Zusammenhänge, daß man überhaupt dieses Ausspucken als vor seinem Angesichte und nicht in dasselbe deutete. Aber Akiba geht noch weiter. Wenn er auch dieses An- oder Ausspucken nicht geradezu abschafft, so betrachtet er es doch nicht als unumgänglich nöthig, vielmehr erklärt er, gegenüber dem Elieser, der an der alten Halachah festhält, den Act für vollkommen gültig, wenn dasselbe unterblieben ist (M. Jeb. 12, 3)5). Damit ist nun wieder die Chalizah eines von der Bibel ausdrücklich festgestellten und sie besonders auszeichncnden Vorganges beraubt, sie wird immer mehr zu einer gewöhnlichen Handlung hinabgedrückt. Beides, daß ihr gerichtlicher Charakter und das Anspucken als entbehrlich erklärt wurde, mag wohl, tiefer erfaßt, seinen Grund haben in der Aende- 5) Daher bringt auch Beides ausdrücklich Sifre z. St. in Verbindung: (ממש; so noch Jalkut z. St. u. Thoß. Niddah 55 b) וירקה בפניו, יכול בפניו ת״ל לעיני הזקנים רוק הנראה לעיני הזקנים, מיכן אמרו... חלצה וקראה אבל לא רקקה ר״א אומר חליצתה פסולה, ור״ע אומ' חליצתה כשרה. Man begreift nicht, in welchem Zusammenhänge diese Umdeutung des Anspuckenö in Ausspucken mit der Entbehrlichkeit selbst des Ausspuckenö steht, wenn nicht die geschichtliche Erinnerung noch lebendig war, daß auch diese Umdeutung schon in der geringeren Beachtung des Actes ihre Wurzel hat. Vgl. auch unten über die Verschiedenheit der Formel in dem anzufertigenden Documente zwischen den älteren und späteren Quellen. Vgl. ferner den ״Anhang" über die dreifach wiederholte Formel.

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