Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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88 Das Judenthum hat seine große Arbeit noch in sich selbst vorzunehmen; es wäre, selbst wenn seine Entwickelung eine ununterbrochen fortschreitende gewesen wäre, der Aufgabe nicht überhoben, seine weitere Vollendung anzustreben, umsomehr nun, da die unsa'glichstcn Hemmnisse es anfgehalten und znrückgeworfen haben. Aber es erkennt seine Aufgabe, es bemüht sich ernstlich sie ausznführen. Man ehre dieses Streben, wenn man auch von anderer Grundlage aus die eigene geistige Arbeit vornimmt. Wer aber sich zu erheben glaubt, wenn er das Judenthum und dessen Bemühungen in den Staub zieht, der giebt dem gerechten Verdachte Raum, er wolle durch Beschimpfung des Andern die Hohlheit des eigenen Innern übertauben, der zeigt überhaupt, daß er von ״Erziehung des Menschengeschlechts" redet, aber von ihr, als Entwickelung der Gesammt- Menschheit von verschiedenen Standpunkten aus, gar keine Ahnung hat, der denuncirt selbst seine Winzigkeit, indem er, statt rüstig mitzuarbeiten, nur an dem Fremden zu mäkeln weiß. Und somit auf Nimmerwiedersehen, Herr Maaß! Den 15. April 1863. II. Dispensation von der Schwagerehe und Weigerung der Unmündigen. (Chalizah und Meun.) Die Schwierigkeiten, welche die Chalizah - Verpflichtung erzeugt, häufen sich von Tage zu Tage, und der Muth, diese veraltete Einrichtung gänzlich zu beseitigen, will sich seltsamer Weise noch immer nicht einstellen. Die weiten Entfernungen erschweren cs der Unglücklichen kinderlosen Wittwe nun häufig, sich die Befreiung von Seiten des Schwagers zu verschaffen und entziehen ihr die Möglichkeit, sich einen neuen Hausstand zu gründen. Es treten nun auch Fälle ein, wo die Schwäger von vornherein erklären, daß sie jenen Act für einen bedeutungslosen halten, sich deßhalb nicht zur Vollziehung eines solchen hergeben werden. Kommt nun die Frau in die Lage, bei der die Chalizah angewendet wird, so hat sie, die Unschuldige, allein