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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 2 (1863) · p. Seite 87

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
2 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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und der Fortschritt im Judenthume. 87 pönten Hcidenthums. Die Religion als solche konnte von diesen gegensätzlichen und thcilweise ihr fern liegenden Bestrebungen keine unrnittelbare Förderung erlangen; aber der Ernst, mit welchem man von den trüben abgeleiteten Bächlein auf die Quellen der Wissenschast znrückging, bewirkte auch, daß man sich nicht mit Brevier, Catenen und DiSputirübungen begnügte, sondern auch hier auf die Quelle, auf die Bibel, die lange verschüttete, zurückging. Die Bibel, welche das Christenthum das ganze Mittelalter mehr und mehr zu einem versiegelten Buche gemacht hatte, ward wieder die Lehr- Meisterin der Menschheit, die Bibel, und namentlich auch die hebräische, die jüdische. Die Anschauungen, die man aus ihr entlehnte, die Formulirung, in die man sie zwängte, entsprechen allerdings nicht mehr durchaus unserem Bewußtsein; man betrachtete sie mit dem damaligen getrübten Blicke. Aber als erfrischende Quelle bewährte sie sich wieder, und aus dem Formelkram kam man wieder zu Ideen. Den Juden war sie unterdessen nicht verschlossen gewesen, sie hatten aus ihr immer Nahrung gezogen, doch hatte auch sie der Druck und die Richtung der sie umgebenden herrschenden Welt in ihrem Aufschwünge gelähmt. Der Hmnanismus in Italien entfaltete bei ihnen manche schöne Blüthe, nicht so der Protestantismus, der das Erbe der Bedrückung der Andersgläubigen mit häßlichem Eifer übernahm, bald auch in einen starren Dogmatismus verschrumpfte. So setzte sich das Mittelalter unter Christen und Inden eine Zeit lang fort; doch trat bald englischer Deismus, französischer Encyklopädismus, deutsche Aufklärung auf. Sie alle waren antikirchliche, wesentlich auch antichristliche Bestrebungen. Die Denker des vorigen Jahrhunderts, Lessing wie Kant und ihre Nachfolger, haben sich höchstens mit dem Christenthume abgefunden, sie haben nicht aus ihm geschöpft, sie haben es vielmehr versteckt oder offen bekämpft. Mag Herr Maaß mit seinen Genossen den Glauben an den religiösen Fortschritt und die speculative Vertiefung durch das Christenthmn aus Lessing's Worten herausdeuten oder vielmehr in seine ״Erziehung des Menschengeschlechts" hincinlegen soviel er wolle: der Unbefangene sieht darin nur ein ohnmächtiges Beginnen, den gewaltigen Mann zu seinem krüppelhaften Standpunkte herabznziehcn. In Mitten dieser großen Cnlrurbewegung standen auch die Inden, nahmen auch sic von ihr auf; vom Christenthum als solchen: haben sie Nichts-gelernt und fühlen auch heute nicht den Drang danach.

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