Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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86 1 Die protestantische Kirchenzeitung Befestigung des Gedankens von der Unbildlichkeit, Geistigkeit, also Einigkeit Gottes, und ohne dem einen der beiden Extreme zu verfallen, betonte er mit Nachdruck ebenso die göttliche Vorsehung wie die menschliche Willensfreiheit. Ms nun aber später das Indenthnm sich gar eine Zeit lang von der Wucht des Christenthums, das cs körperlich wie geistig niederdrückte, zu befreien vermochte, als ein großer Theil seiner Bekenner unter der Herrschaft des Islam stand, da entwickelte cs spcculative Anlagen und Neigungen in großartiger Weise. Saadias, Bachia ben Joseph, Gabirol und Andere, endlich Maimonidcs haben Nichts von Christen entlehnt, höchstens von Arabern, aber sie sind Lehrer der Christen geworden, und wie Aviccbron, d. h. Gabirol, ein treibender Sporn für die spcculirenden Dogmatiker war, so auch Maimonidcs, wie neuerdings Joel*) in Bezug auf Albert ״den Großen" gründlich und schlagcnd uachgewiesen hat. Maimonidcs aber hat fast seine Lebensaufgäbe darin erkannt, den speculativen Gottesbegriff zum Gemcingute des Judenthums zu machen. Die Resultate seines Nachdenkens legte er als s. g. Glaubensartikel nieder, die, wenn sic sich auch nicht zu Dogmen im Schoße des Judenthums verfestigten, doch allgemeine Verbreitung und Annahme fanden, ja in das tägliche Gebet als ein Credo übergingen. In ihnen aber ist der “TIPP, was mehr als die Einzigkeit bedeutet, aufs Nachdrücklichste hervorgehoben, ein ״Jichud", wie er blos von Gott ausgesagt werden könne, weil jede andere Einheit eine aus Th eilen zusammengesetzte, während die göttliche eben eine in sich einige sei. Diese Lehre hat Maimonidcs schon vor sieben Jahrhunderten, und zwar frei voll christlichem Einflüsse, zu Grund und Wurzel des Judenthums gemacht, und nur die bornirtcste Unwissenheit kann es nachsprechen, daß ״das moderne Jlldenthum" sich mit solchen ״christlichen" Dcnkresultaten aufpntze. Unterdessen ging die Menschheit auf ihrer großen Bahn weiter. Sie rang mühsam gegen die ihr auferlegten Bande, und es gelang ihr nicht, sich zu einem freien Blicke zll erheben, bis sie sich wieder von den lange unzugänglichen Bildungsschätzen des Alterthums nährcn konnte. Die Restauration der Wissenschaften, der Humanismus bildeten sich nicht aus dem Christenthum heraus, sie lauschten, im bewußten oder unbewußten Gegensätze zu ihm, den Lehren des ver- *) Verhältnis Albert des Großen zu Moses Maimonidcs. Breslau 1863. XXVII S. gr. 4.