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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1863-01-01 · 2 (1863) · p. Seite 85

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
2 (1863)
Issue
2 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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und der Fortschritt im Judenthume. 85 Schöpfer und Erhalter, cs erkannte Ihn als den Unsichtbaren, als den Heiligen, Barmherzigen, Allgegenwärtigen. Das schließt alle Körperlichkeit, alle Theilbarkeit aus; das war genug. Und es dauerte nicht lange, da wurde der Begriff speculativ ausgebildet. Die Alexandriner sublimirten und deuteten ihn mit dem vollsten Bewußtsein, die Palästinenser suchten alle sinnlichen Vorstellungen ans der Bibel theils auszumerzen, theils umzudeuten. Da war noch nicht der entfernteste Einfluß des Christenthums, während im Gegentheile dieses gleich bei seiner Entstehung, wie aus den damaligen jüdischen Ansichten erzeugt, so auch bald von alexandrinischcn Speculationen durchzogen wurde. Wir müssen cs, bei aller Achtung vor einer Religion, die so große Eroberungen in der Menschheit gemacht, solchen Anmaßungen gegenüber doch einmal ungeschent anssprechen, daß unserer, nicht durch Doginatik, anerzogene Scheu und selbstsüchtige Ueber- Hebung ungetrübten Auffassung nach, das Christenthum nicht im Geringsten mit einem gesunden speculativen Gedanken aufgetreten ist, sondern blos gar seltsam fremdartige Pfropfreiser sich eingepflanzt hat. Für den unbefangenen Denker ist die Johanneische Logosidee, die dem jüdischen Atexandrinismus entnommen, in trübe Mystik umgestaltet, und die Paulinische Dialektik, vom Baume des jüdischen Midrasch gepflückt, mag alles Andere sein, aber wahrlich weder gesunde noch neue Speculation. Von diesen Anfängen aus ist das Christenthum hingedrängt worden zu einem beständigen Kampfe wider die Speculation, zu einer Pcrhorrescirung der Vernunft, und wer in den inneren kirchlichcn Bewegungen der ersten christlichen Jahrhunderte und des Mittelalters, in den Streitigkeiten über Homusie und Homoiusie, in den hohlen Abstractionen des Dogmatismus spekulative Fortschritte sindet, wer nicht vielmehr darin bald das gänzliche Zurückdrängen aller Denkthätigkeit, bald ein Abflnden mit dem leise erwachenden specnlativen Geiste wahrnimmt, den beneiden wir um seine philosophische Einsicht nicht. Das Judenthum hingegen dnrchdrang sich, soweit eine positive Religion überhaupt mit der Philosophie sich vermählen darf, immer mehr mit speculativen Begriffen, die seinen einfachen, aber großartigen Anschauungen sich freundlich anlehnten. Nicht blos die alexandrinische Schule philosophirte, sondern auch Palästina nahm frühzeitig die allgemeinen Resultate dieser Denkoperationen auf. Akiba im zweiten Jahrhundert, der Restaurator der jüdischen Lehre, drang, wie ich es mehrfach nachgcwiesen, mit aller Entschiedenheit ans die

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