Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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84!. Die protestantische Kirchenzeitung vernichtenden Gedanken wiederholt er dann nochmals mit andern Worten, das Judenthmn vermöge nichts Eigenes darzubieten und cs solle endlich sich selbst als einen Anachronismus begreifen. Ein ״Anachronismus", und zwar ein sehr bedenklicher, ist diese Art des Kampfes von Seiten der ״Prot. K.-Z."; bedenklich für ihr ganzes Streben, für ihr ganzes Bewußtsein über die Aufgabe, die sie übernommen, über die Grundsätze, die sie zu vertreten vorgiebt. Dieses Gebühren zeigt von einer Flachheit, von der gewiß manche Mitarbeiter frei sein mögen, die jedoch den Berns des Herrn M. überhaupt mitzusprechen sehr arg in Frage stellt, und von der wir es bedauern müssen, daß sie der Herausgeber so angelegentlich zu seiner eignen Sache macht. — Also die Frage ist, ob die Bibel Gott als einzig oder einig lehrt? Diese Frage schon ist ein Zeugniß, daß die Herren gar keinen klaren Begriff haben von dem Eharakter der biblischen Schriften. Religion ist nicht Dogmatik und nicht Specutation; die Religion ist ein tiefes Erfülltsein von Ideen, welche das Leben verklären und zu einem Handeln nach höheren Antrieben bewegen. Die Urkunden der Religion geben diesen Ideen und den aus ihnen geschöpften Antrieben den eindringenden und Allen verständlichen Ausdruck. Der späteren Zeit bleibt es dann überlassen, die zur Herrschaft gelangten Gedanken systematisch zu ordnen, sich speculativ in sie zu vertiefen. Während die Speeulation, von Gegebenem ausgehend, sorgsam jedes Einzelne prüft, nach allen Seiten hin 31t bestimmen und so vorzuschrciten versucht, ist die Religion in ihren! Ursprünge eine unmittelbare Erleuchtung, eine Offenbarung des Gottesgeistcs an den Menschcngeist. Sie überwältigt den Menschen Ln seinem ganzen Denken und Sein, sie läßt ihm nicht die Freiheit, jeden Begriff bis ins Einzelnste auszuarbeiten; sie würde damit ihre Wärme, ihre llrsprünglichkeit cinbüßen. Eine Religion, die von vorn herein speculativ austritt, ist gar nicht Religion, sie ist das Resultat menschlichen Nachdenkens. Das Judenthmn trat mit dem Gedanken der Einheit Gottes auf, einem Gedanken, zu dem sich die Menschheit aus sich heraus nicht zu erheben vermochte, kaum vermag, der aber doch so überwältigend war, daß er das Judenthmn beherrschte und seine Herrschaft immer weiter ansdehnte. Wie diese Einheit aufzufassen sei, darüber sprach es sich in logischer Systematik nicht aus, konnte es sich nicht aussprcchcn. Genug, es erkannte Nichts neben dem Einzigen als wahre Macht an, cs erkannte Ihn als den alleinigen