Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Miss. Orthodoxie im Protest. 303 vulgären Anschauung entspringenden Alternative Hengstenberg's: das 5. Buch M. ist entweder von Moses, oder es ist das Erzeugniß raffinirteu Betruges, die Phantasie eines obskuren Fälschers, entgegnet K.: ״Jeder Gymnasiast weiß, daß es in der klassischen Literatur eine große Anzahl von Schriften giebt, die sich einem berühmten Namen zuschreiben, ohne daß irgend ein Sachkundiger dabei an Betrug denkt. Solche Schriften sind oft so viel werth, wie wenigstens einzelne Origiualschriften. Nun ist cs, ethisch angesehen, allerdings nicht richtig, daß eine Schrift im Sinn und Geist einer großen Persönlichkeit sich den Namen derselben an die Stirne setzt. Aber das war eine literarische Form jener Zeit, die man wohl im Ganzen nicht billigen, bei den Einzelnen aber milder beurtheilen muß." So weist er auch das practische Bedenken ab, das Volk werde an seinem Glauben irre gemacht, in seinem Bewußtsein verwirrt, wenn es höre, daß das 5. B. M. nicht von Moses, der zweite Theil des Jesaia nicht von Jesaia sei u. dgl. ״Die Unterscheidung, sagt K., zwischen den Urkunden des Pentateuch's, das Verhältniß des ersten zum zweiten Theil bei Jesaia und Sacharia ist nicht für das Volk, sondern für die Theologen. Ist Einer aus dem Volke fähig darauf einzugehen, nun dann sage man, was man ihm zu sagen für zuträglich hält. Ich habe auch das Volk kennen zu lernen Gelegenheit gehabt. Dem einfachen Manne kommt wahrlich nicht viel darauf an, ob der zweite Theil des Jesaia von diesem oder einem andern Propheten ist, wenn es nur ein prophetisches Buch ist, und das ist es." Immerhin müsse hauptsächlich das Volk von seinen Geistlichen die Ueberzeugung erlangen, daß sie die Wahrheit wollen. ״Daß man das von uns glaube, daran muß uns viel liegen. Wenn es dahin kommen sollte, daß die Protestanten in ihren Theologen Pfaffen sähen, die verbunden mit den Mächten des Obscnrantismus um jeden Preis nur das Alte aufrecht erhielten, dann wäre es um unsere Bedeutung geschehen". So Kahnis, so die wissenschaftliche Orthodoxie in! Protcstantismus. Dem Juden steigt bei solchem heiligen Ernste, solcher ungeschminkten Wahrheitsliebe die Schamrölhe Ln's Angesicht. An Hengstenberg'schen Zwerglein, die mit dem wohlfeilen Ruhme hartnäckigster Stabilität prunken, fehlt es uns wahrlich nicht; aber wo sind die Kahnis, die Männer mit der Gewissenhaftigkeit des Forscherdrangesd 6. Juni.