Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Miss. Orthodoxie im Protest. 301 den Protestantismus aufgeben. Die irren, welche glauben, daß die Rückkehr zum Alten Ruhe bringe. Man mache sich doch über manche Dinge klare Begriffe. Es giebt eine Rückkehr zum Alten, die eben so gut Revolution (Contrerevolution) ist, wie der mit der Geschichte brechende Fortschritt. Wenn ein Theologe sich vornimmt, durch die ganze Entwickelung von 3 Jahrhunderten einen Strich zu machen, um, es mag nun reißen oder brechen, den Standpunkt des 16. Jahr- Hunderts zu restaurircn, so bricht er, und wenn es auch im edelsten Streben ist, ebenso mit dcr Geschichte, wie ein Kirchenzukunstler grünster Sorte, der alle unreifen Einfälle, die er in der Gegenwart nicht durchsetzen kann, als verklärte Schatten in das Elysium der Zukunft versetzt". An diese trefflichen allgemeinen Betrachtungen schließt sich die zweite Abtheilung an, welche von der ״Schrift" insbesondere handelt. K. begründet die Behauptung, welche man in seinem früheren Buche fand, hier weiter, nämlich 1. daß die alte Jnspirationsthcorie unhaltbar ist*), 2. daß über die Authentie und das kanonische Ansehen einzelner Schriften, bei der Ueberzengnng von der Aechthcit der Hauptschristen, dem freien Urtheile das Recht gewahrt werden muß, und endlich 3. daß es als Thatsache zuzugeben ist, die Schrift, im Wesentlichen und Ganzen wahr, enthalte im Einzelnen bis jetzt ungelöste Differenzen. ״Es ist eine Thatsache, sagt K., daß eine bedeutende Anzahl der Theologen der Gegenwart entweder ganz oder doch im Wesentlichen oder doch in wichtigen Punkten so steht wie ich. Es sind dies aber nicht blos Ralionalisteu oder Kritiker von Profession, sondern die meisten gläubigen Theologen der Vermittelung und auch einige confessionelle. Wo eine Sache von einer mehr oder minder großen Anzahl von Theologen verschiedener Richtung vertreten wird, da kann sie nicht aus einer dieser Richtungen heraus erklärt werden. Ein Beispiel. Es ist eine Thatsache, daß Knobel, Tuch, Ewald, Hupfeld, Bleek, Delitzsch, Kurtz, also Theologen von sehr verschiedener Richtung, in den 4 ersten Büchern Moses verschicdene Urkunden verbunden finden, somit alle lehren, daß diese Bücher nicht wie sie sind, aus der Hand Mosis sind. Wenn nun eine Aufstellung, welche Theologen verschiedener Richtungen theilen, ebensomit *) In der Dogmatik heißt es: ״Die Inspiration der bibl. Geschichtsschreiber läßt sich nicht anders fassen, denn daß sie die Geschichte des Reiches alten Bundes im Geiste desselben dargesrellt haben".