Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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290 Journal-Revue. Es ist nun natürlich, fährt der Verf. fort, daß die spateren jüdischen Schriften, die Baraitha's, die Mischnah und die Gemaren in einem Mischdialekte geschrieben sind, der immer mehr chalda'isch ward. Da ihr Zweck kein sprachlicher, sondern ein dogmatischer war, so gingen sie nicht darauf ans, wie spätere Dichter und Philosophen, die hcbr. Sprache beizubehaltcn und sie, wo es der Ausdruck ihrer Gedanken nöthig machte, durch Neubildungen zu bereichern, sondern sic bedienten sich einfach ihrer Umgangssprache. Hatten die Verfasser auch oft Veranlassung, hilft. Wörter zu erklären, so geschal) auch Dies weniger aus sprachlichen, als aus inhaltlichen Ruck'- sichten, und die Aufsuchung der Anfänge für eine wissenschaftliche Behandlung der hebr. Sprache muß erst mit den alten Lexikographen beginnen. Sic nahmen das Grammatische mit in ihre Werke auf, eine selbstständige Behandlung der Grammatik blieb einer späteren Zeit Vorbehalten, die ein höheres sprachliches Bewußtsein erlangte. Die erste sprachliche Arbeit, welche noch der Sammlung und Erklärung des Wortvorraths in Wörterbüchern voranging, ist die Punctation und Accentuation, sowie die Bestimmung, ob ein Wort ohne oder mit Lcsemutter zu schreiben sei. Daß die Aussprache, welche unter מקרא verstanden wurde, genau beachtet, aber ntc^t durch Lesezeichen bereits zur Zeit des Thalmud's ausgedrückt und festgestetlt war, ist eine bekannte Thalsache, ebenso daß man die volle und mangelhaftere Schreibart, d. h. die Hinznfügung oder Weglassung der Lesemutter (מלא והסר>, wie sie in den Abschriften sich vorfand, schon früh sorgfältig beobachtete und in der überkommenen Gestalt zu erhalten als pflichtgemäß erachtete. Der Verf. glaubt, daß Letzteres im Thalmud besonders mit dem Worte מסורת bezeichnet werde, und er findet Dies namentlich in dem Spruche ausgedrückt: יש אם למקרא ויש אם למסורת. Er macht dabei die interessante Mittheilung, daß Saadias in seinem arab. Commentar zu Jezirah diesen Spruch mit der LA. אום anführl, wie er auch in Jezirah selbst ג' אומות liest, אלם aber, mit Herbeiziehung der Stelle Nega'im!, 5 erklärt: Geburtsstättc, ursprüngliche Wurzel, entgegen der von dort aus sich weiter erzeugenden Ausbreitung, und dieser Erklärung folgt auch Thanchum, ohne jedoch unfern Spruch anzuführen. Was diesen aber selbst betrifft, so glaube ich, daß die zweite Hälfte erst späterer gemaristischer Zusatz ist, während die älteren Baraitha's blos den ersten Theil, nämlich יש אם למקרא, kennen, ihn anwendend bei Stellen, in denen das nackte Wort keinen Anhaltspunkt für die Aussprache