Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Studien und Kritiken. 285 rung" von ltnmann, sie ist ein biographisches Denkmal von Freundeshand, die zweite von Riehm sS. 479—511) ergänzt jene, indem sie ״die literarische Wirksamkeit Umbreit's" bespricht. Diese hat zunächst für uns Interesse, da Umbreit 40 Jahre hindurch als Bibelexeget thätig war, und seine schriftstellerische Laufbahn uns einen Einblick in die eigenthümlichen Wandelungen dieses Zeitraums eröffnet. Denn U. war nicht ein Mann, der mit selbstständiger Richtung in die Literatur eintrat und diese seine eigenste Erkenntniß dann tapfer verfocht und entwickelte, er gehörte vielmehr zu den aufnehmenden und das Anfgenommenc sinnig verarbeitenden Naturen, er war daher für alle Einflüsse der Zeit empfänglich, ward immer mehr von ihnen abhängig, und bewahrte er auch treu die früheren Eindrücke so weit, daß er den neueren Richtungen in ihrer schroffen Weise nicht ganz unterthan ward, so gab er sich ihnen doch mehr und mehr hin. So ging er denn zunächst von Eichhorn und Herder aus, er sah in den biblischen Schriften die literarischen Erzeugnisse eines semitischen Volksstammes, die er mit poetischer Innigkeit erfaßte, und wenn ihm auch deren religiöser Gehalt werth war, so suchte er sie dennoch nicht theologisch zu sublimiren, und war weit entfernt, sie mit den christlichen Begründungsschriften der Art in organischen Zusammenhang zu bringen, daß er sie zu Vorstufen für diese degradirte und ihnen deren Sinn aufzwängte. Allein die Zeit drängte dahin, diesen Zusammenhang, der doch einmal christlich vererbt war, wieder herzustellen und noch inniger zu gestalten. Schleiermacher zwar erkannte - daß er so, wie er verlangt wurde, gerechter Weise nicht hergestellt werden konnte, — er wollte lieber die hebr. Bibel ganz aufgeben, mit dem Christenthume als einem ganz Neuen beginnen. Das war aber eine zu starke Anforderung an die Zeit, die ja gerade nicht Ueberlieferungen aufgeben, sondern befestigen wollte; umsoweniger konnte sich U. ihr fügen, der sich, seine ganze semitisch biblische Heimarh hätte aufgeben müssen. Umsomehr arbeitete die Zeit daran, die hebr. Bibel wieder christlichen Anschauungen dienstbar zu machen. U. konnte allerdings nicht so rasch seine mitgebrachten freien kritischen Resultate dahingeben, er wollte lange noch die verständige und dichterische Auffassung retten. Doch mehr und mehr verfiel er typischen Deutungen. Propheten und Psalmendichter mußten es sich von Tage zu Tage mehr gefallen lassen, ״den duldendcn und den verklärten Christus" mit sich im Geiste herumgetragen und ihn bald deutlicher, bald verhüllter verkündet zu haben. So