Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Studien und Kritiken. 283 beachtenswert(). Bl.'s Buch beruht auf gewissenhafter Forschung, es fehlte dem Verf. nicht au der geistigen Freiheit, welche der Kritik ihre volle Berechtigung zugesteht, eitlem er ermangelte der historischen Divinationsgabe, welche der Kritik die positiven Resultate schöpferisch zuführt, damit sie dieselben dann sorgsam prüfe und abwäge. Dem ächten Kritiker enthüllt sich das geistige Leben der Zeiten in seiner Entwickelung, das Treiben der Ideen und Bestrebungen, welches auch die literarischen Producte erzeugt und ihnen die bestimmte Färbung giebt. Er wird nicht von der Angst befallen, er möchte durch die kritische Zersetzung auch die edlen Theile verletzen, er geht vielmehr vom Geiste aus, der die Werke beseelt, und nach seinen Phasen wird er auch die verschiedenen Schichten erkennen. Der Forscher, dem dieses feine Aufspüren gebricht, wird, je gewissenhafter er ist, zu bestimmten Resultaten nicht gelangen können, und bei aller Freiheit wird er aus falschem Positivismus an der hergebrachten Autorität fcsthalten. So erging es Bl., und namentlich in Beziehung aus den Pentateuch, der als das ächte Volksbuch auch der vielfarbigste Volksspiegel ist, dessen Kritik, so Vieles auch für ihn geleistet ist, weil die geistige Geschichte im Volksleben noch nicht genügend erkannt ist, noch immer der rechten Grundlage entbehrt. Niehm erkennt die Mangel des Bl.'schen Buches in Beziehung auf Pcnt. und erste Propheten an. ״Hier, sagt er (S. 398), Läßt sich Bl. viel zu sehr von der Neigung bestimmen, die Abfassungszcit der einzelnen Bücher möglichst früh anzusetzen. Es hat ihm dies mehrfach den Einblick in den wahren Sachverhalt verschlossen und ihn zu einzelnen entschieden falschen Annahmen verleitet". Er weist Dies auch im Einzelnen gut nach, wie denn die ganze Necension voll gesunden klaren Uriheils ist. Dennoch vermisse ich auch bei ihm die Erkenntnrß der oben genannten lieferen Aufgabe der Kritik, und nicht minder sind i()m neuere jüdische Forschungen unbekannt. Wäre Dies nicht der Fall, so würde er nicht so ganz oberflächlich über die ״Thikkun Soferim" gcurtheilt haben, wie er S. 421 thut; meine ״Urschrift" S. 309 ff. würde ihm darüber genügende Aufklärung geben. Auch sein Urtheil über das Vcrhältniß des s. g. Onkclosspentatcuch.) zu dem des s. g. Jonathan- (Propheten-) Thargum (S. 420 f.) ist ein solches, das neuere jüdische Forschungen längst berichtigt haben, indem sie beide als die babylonische Ueberarbeituug eines früheren palästinischen Thargums erkannt haben. Dasselbe Heft enthält ״Erläuterungen der H. S. aus den Clas-