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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 4 (1862) · p. Seite 280

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
4 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 280 (sequence 36)
Language
German
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280 Journal-Revue. halte, so antwortete er, er stimme dem nicht bei, ihm seien alle 013 Ge- und Verbote ״Grund und Wurzel". Der Mangel an Dogmen im Judcnthumc beruht daher theils aus der Acußerlichkeir, in die es versunken war, theils auf der Machtlosigkcit seiner äußeren Lage. Dennoch ist dieser Umstand jedenfalls für den jüdischen Philosophen von großem Vortheile gewesen. Er konnte über seine freisinnigen Ansichten angegriffen werden, und er wurde es auch, aber der Angreifer konnte Dies immer nur im Namen seiner eigenen entgegenstchenden Ansicht thun, nicht im Namen eines feierlich ausgesprochenen und mit allgemeiner Anerkennung bebekleideten Dogma's; der Angegriffene konnte sich vertheidigen, ohne von einer unüberschrcitbaren Gränze beengt zu sein. Der Angriff konnte nur mit geistigen Waffen geführt werden, das Judenthum hatte nicht über den weltlichen Arm zu gebieten, der noch heute den Staatskirchen zu Gebote steht und erst in diesen Tagen dem Prof. Renan in Paris alsbald nach dem Beginne sprachwisscnschaftlicher Vorlesungen den Mund schloß, weil seine Ansichten denen der Kirche widersprachen. Der jüdische Denker ist da in einer besseren Lage, weil — das Judenthum in einer schlechteren ist. Die Fruchtbarkeit und Bedeutsamkeit der jüdisch-philosophischen Erzeugnisse des Mittelalters bis auf Spinoza herab liegt wesentlich mit in dieser Freiheit. Spinoza fand sich dem Staate gegenüber mit einigen mattcn Eoneessionen an das Christcnthum ab, und man ließ ihn, als Juden, daun ziemlich still und ruhig seine Forschungen anstcllcn und verbreiten. Dies führt uns, nach langer Abschweifung, wieder zu unserm Gegenstände zurück. La pliilosophie des Juifs betitelt sich eine Ab- Handlung des Hrn. Emile Saissct, welche die Revue des deux mondes vom 15. Januar (S. 29G—334) bringt. Wenn dieselbe zwar die Arbeiten von Munk und Franck in die Ueberschrift mit aufnimmt, so zeigt doch der zweite Titel: Maimonide et Spinoza, daß cs Hrn. Saissct, dem Bearbeiter und Kritiker des Spinoza, weniger darum zu thun ist, über die Bereicherung, welche unsere Kenntniß der mittelalterlich-jüdischen Philosophie aus den Werken der genannten Gelehrten gewinnt, zu berichten, als vielmehr die ganz andere Frage zu besprechen, inwiefern Spinoza — von dem M. und Fr. durchaus nicht sprechen — aus Maimonides geschöpft oder an ihn angcknüpft hat; über Maim. spricht er drüberhin und nicht mit genügendem Verständnisse. Die Frage, die Hrn. S. besonders am

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