Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüd. Philosophie. 279 unverbrüchlLche Wahrheit verkündet worden, deren Verle^ignung oder Anzweiflung den, welcher sie in Abrede stellt, außer dem Schoße der kirchlichen Gemeinschaft versetzt. Eine solche fei erliche Ueb ereinku u ft hat im Jndenthume nicht Statt gefunden. Wohl sind zu allen Zeiten Sätze als so unzweifelhafte Fuudaruente des Judenthums betrachtet worden, daß man einen Jeden, der sie anzweifelte, als einen Khofer ba-'ikkar, als einen ״Leugner an Grund und Wurzel" bezcichnete, und der Bann, der gegen solche Männer ausgesprochen wurde, war eine Ausschlußerklärung. Allein das Judenthum ging in der Feststellung der Sätze wie in der Verfolgung nicht weiter, und zwar nicht etwa, weil es ״Gedankenfreiheit gewährte", sondern weil es zu machtlos war. Eine schärfere Präcisiruug der Grundsätze, deren Bekenmniß allein zürn Juden mache, deren Verwerfung davon ausschließe, wurde gerade von freien, aber systematischen Denkern angestrebt, und ganz besonders zeichnet sich hier wieder Maimouides aus, der die von ihm ausgestellten dreizehn Glaubensartikel mit dem Ausbruche eines eigenthümlichen theologischphilosophischen Fanatismus beschließt, daß, wer nämlich als Jude diese Grundsätze leugne, den dürfe, ja solle man hassen und verderben. Diese dreizehn Glaubensartikel haben mächtig genug Wurzel geschlagen, und wenn sie dennoch nicht geradezu zu Dogmen geworden, so beruht Dies darin, daß Maimonidcs doch blos ein Einzelner war und so Mancher ihm in einem oder anderm Punkte entgegentrat, dann noch besonders in einem andern Umstande, der seinem innersten Wesen nach eher eine Schattenals eine Lichtseite des Judcnthums bildet. Gerade die philosophisch gebildeten Rabbiner, wie neben Maimonidcs z. B. Ehananel, Joseph Aldo u. , stellen die Annähme einer Anzahl von Grundimb Glaubenssätzen als Bedingung zur Mitgliedschaft im Verbaudc des Judenthurus auf, während alle Anderen, die einer weit scrupulöseren Orthodoxie huldigen, darüber ganz hinweggchen. Denn die jüdische Orthodoxie begnügte sich nicht mit einer Anzahl von Sätzen, die allein unverbrüchliche Annahme finden müßten, sie verlangte die stricte Annahme und Befolgung von Allem, eine jede Leugnung auch des Geringsten, was sie annahm, war ihr Ketzerei, eine jede Uebertretung Abfall. Ja, sie brachte es gar nicht dazu, auf den Glauben und die Gesinnung den entschiedencn Nachdruck zu legen, sondern ihr war das Wesentliche die That, d. h. die Ausübung der Gebote. Als daher David ben Simra ans gefragt wurde, was er von den 13 Glaubensartikeln des Maim. 19*