Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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278 Journal-Revue. mit ihm dasselbe kirchliche Bekenntnis; theilen, die Berechtigung seiner philosophischen Ergebnisse Nachweisen; die theologischen Probleme gerade seiner Kirche werden daher in seinen Forschungen wie Belchrnngen in den Vordergrund treten. Der große Einfluß, den Maimonidcs erlangte, liegt weniger in seiner hervorragenden philosophischen Begabung, in der ihm andere gleichkornmeu mögen, als gerade darin, daß er eine Lösung der Widersprüche zwischen den Resultaten des Denkens und den herrschenden Lehren unternahm, daß er die schlichten Worte der Bibel in philosophische Lehrsätze umzudeuten und die biblischen Vorschriften theils als Conscquenzen solcher Lehrsätze darzuftellen, theils zu blos ncbenhcrgehendcn, gewissen Zeit- und Ortsvcrhältnissen angemessenen Maßregeln zu dcgradiren versuchte. Die Bezeichnung der Philosophen, ja selbst der Philosophie als jüdisch u. dgl. bat daher eine innere Berechtigung; die Systeme werden immerhin ein gewisses Gepräge von dein Bekenntnisse annehmen, aus dessen Schoße sie hervorgcgangen sind. Das Judenthum genießt hier eine Freiheit, um die es andere Confessionen beneiden dürfen; wenn auch diese Freiheit zum Thcile in einem innern und einem äußern Mangel wurzelt, so sind doch auch allerdings die geschichtlichen Resultate dieser Mängel, wie Alles seine zwei Seiten hat, heilsam gewesen. An stch hat das Judenthum den großen Vorzug, daß seine Grnndanschauungcn der Vernunft keine schwierigen Zumuthungen machen. Während die christliche Lehre von der Dreieinigkeit, der Menschwerdung Gottes, der Erbsünde mit dem Begriffe Gottes und des Menschen, mit den philosophischen Lehren von der Einheit und Geistigkeit Gottes und von der menschlichen Willensfreiheit in argem Widerspruche stehen, die islamische Lehre von dem Verha'ngniß nicht minder die freie Wahl des Menschen in Abrede stellt, stehen die Vernunftlehren mit dem Judcnthume im schönsten Einklänge, und der jüdische Philosoph sieht sich nicht gcnothigt, scharfsinnige Umdeutungen nach beiden Seiten hin vorzunehmen, durch spitzfindige Sophistik der Religion wie der Vernunft Gewalt anzuthun, er darf vielmehr diese Lehren nach ihrer schärfsten Consequenz verfolgen. Allein auch das was als Schattenseite das Judenthum begleitet hat, übte, wie gesagt, auf die freie philosophische Bewegung seiner Bekenner einen vorthcilhaften Einfluß aus. Das Judenthum hat nämlich keine Dogmen, d. h. es hat keine Glaubenssätze, die von ein er die G csammtheit mit rcchtsvcrbindlich er Kraft vertretenden Versammlung feierlich als ewige