Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jüd. Philosophie. 277 durch den dritten Band nebst allgemeiner Einleitung wir bald entgegensehen dürfen, wie seine ״vermischten Abhandlungen über die jüdische und arabische Philosophie", worunter vorzüglich bcachtenswerth der ״Lcbensquell" des unter den Scholastikern als ״Avicebron" bekannten Salomo ben Gabirol, der von ihm in hebräischer (durch Schcmtob Fataquera) und lateinischer Uebersetzung entdeckt, nach der ersteren hcrausgegeben, mit Uebersetzung und Anmerkungen begleitet wurde (vgl. Zeitschr. d. DMG. XIV S. 722 ff.), Seyerlen's Abhandlung über den genannten ״Lebensquell", Joel's Abhandlungen über die Religionsphilosophie des Maimonides (vgl. Zeitschrift d. DMG. XIII S. 542 ff.), über das Verhaltniß Gabirol's zu Plotin und über Levi ben Gcrson*), Schorr's Mittheilungen über Isaak Albalag, Franck's ״orientalische Studien" — die mir nicht zu Gesichte gekommen — verschaffen uns eine tiefere Einsicht in die Bewegung der Geister auf dem Boden des Judenthums. Nach dem Charakter, welchen die Philosophie anspricht, eine reine Vernunstlehre sein, ganz voraussetzungslos verfahren, aus der Tiefe des menschlichen Geistes ohne anderswoher zngeführten Stoff schaffen zu wollen, sollte man glauben, es bildeten die Philosophen auf dem ganzen Erdenrunde und zu allen Zeiten eine stille Gemeinde für sich, die unabhängig von aller äußeren Stellung ihre Wirksamkeit übte. Man dürfte dann die Bezeichnung der Bearbeiter philosophischer Fragen als jüdisch, christlich, arabisch u. s. w. für ungeeignet stnden, da ihre Stellung innerhalb des Judenthums u. s. w. keinen Einfluß auf ihr System, auf die Methode und die Resultate ihrer Forschung üben dürfe. Allein der Mensch, und sei er auch Philosoph, verfährt niemals ganz voraussetzungslos; wie seine ganze Individualität ihn einer bestimmten Richtung geneigter macht als einer andern, so strömt von seiner Zeit, seiner Umgebung, seinen geschichtlichen Antecedentien eine Masse von Vorstellungen in ihn ein, die sich so mit seinem ganzen Gedankengange verschmilzr, daß er von ihr, seiner selbst unbewußt, überall begleitet und geleitet wird. Dabei wird sein Interesse auch stets vorzugsweise auf die Fragen gelenkt sein, auf deren Lösung in dem herrschenden Kreise ein besonderer Nachdruck gelegt wird; er will stch namentlich selbst sein Verhaltniß zu der Kirche, der er angehört, klar machen und zugleich auch seinen Genossen, die *) Zuerst in Frankel's Monatsschrift, dann auch in besonderem Abdrucke, Breslau 1862. 105 S. Biertcijahrschrm. I. 4. 19