Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Heine's Briefe. 269 der Geschichte seine erneuernde Lebensquelle schöpft. Die Wissenschaft lehnte sich von Außen an das Judenthum an, die Idee blieb in ihrer unnahbaren Hegel'schen Abstraction unfruchtbar, die practischen Bestrebungen waren allgemein bildende, nicht Früchte eines veredelten Judenthums. — Aber das Ringen nach gottesdienstlichen Neformen, der Hamburger Tempel mit seinen Trägern? So achtbar diese Bestrebungen und die sie vertretenden Männer waren, so sahen doch tiefere Geister in diesen mehr auf die äußere Darstellung als auf die Erfassung der Religion gerichteten Reformbcstrcbungen eine gewisse Flachheit. Wenn das ganze religiöse System in den Wehen einer Umgestaltung sich befindet und der Gottesdienst daran votlkräf- Ligen Antheil nimmt, so wird er auch in seinen einzelnen Formen würdigende Anerkennung finden. Wenn aber gerade dieser einzelne Ausdruck in den Vordergrund tritt, während das System nicht in seinen innersten Tiefen berührt wird, so erhält er den Anschein des Gemachten, des äußerlich Zugestutzten, und die ästhetische Gestaltung ist nicht das natürliche Gewand des wohlgestalteten Körpers, sie erscheint als Flitter, prunkender Tand. Das war und ist es in den verschiedenen Epochen der jüdischen Reformbestrebungen, was zuwcilen ernste Naturen gegen die zeitgemäße Umgestaltung des Gottesdicnstes einnahin; sie wollten nicht zugcben, daß das Lebensbcdürfniß so dringend ist, daß man mit dieser Reform mancher anderen tieferen vorauseilen müsse, sie sahen darin eine Aeußerlichkeit, die nicht ihre Wurzel habe in der Tiefe des Gemüthes. Menschen wie Heine, deren Gemüthsrichtung überhaupt mehr sich den gottesdienstlichen Eindrücken abwendet, fanden in dem Nachdrucke, den man auf manche kleine Verbesserung legte, Veranlassung zum Spotte, und wahrend das Alte in seiner Fremdartigkeit sich theils ihrer Beurtheilung entzog, theils durch Alter und Seltsamkeit imporürte, mußte ihnen das Neue, das ästhetische Ansprüche erhebt, als nüchtern erscheinen. Aus solcher Gesinnung heraus spricht sich Heine mehrmals über den ״Tempel", dessen Prediger und Anhänger aus, während er in Satomon, als Prediger, eine Kraft erkennt, und Bernays ein zweideutiges Lob erhält. Und trotzdem bleibt Heinc'n das jüdische Geistesleben in seinem ersten jugendlichen ideellen Auftreten wie nach seiner eigenen Taufe und sein ganzes Leben hindurch werth. Er kennt dieses Geistesleben nur sehr dürftig, aber er bettelt sich Brocken daraus von Freunden zusammen, er stöbert eifrig in ihm zugänglichen historischen Schriften,