Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 4 (1862) · p. Seite 268

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
4 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 268 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2420973-2420974-2420978--0276-2421437
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

268 Recensionen. hingiebt, nicht in einem Momente mehr und glücklicher lebt als Herr von Göthc wahrend seines ganzen 76jährigen egoistisch behaglichen Lebens". Darin liegt wahres, warmes Gefühl, dem nur leider die Energie fehlt gegen ״die klare Vernünftigkeit (!), die den Lebensgenuß billigt". Nein, Heine war nicht der kalte, herzlose Spötter, der jeden Ernst mit frechem Witze zerfressen will, als welchen er sich so gerne zeigt und zu welchem er auch theilwcise geworden. Wie vortrefflich spricht er sich in demselben Briefe über den Witz aus! ״Witz in seiner Jsolirung ist gar nichts werth. Nur dann ist mir der Witz erträglich, wenn er auf einem ernsten Grunde ruht. Darum trifft so gewaltig der Witz Börne's, Jean Paul's und des Narren im Lear. Der gewöhnliche Witz ist blos ein Niesen des Verstandes, ein Jagdhund, der dem eignen Schatten nachläust, ein rothbäckiger Affe, der sich zwischen zwei Spiegeln begafft, ein Bastard, den der Wahnsinn mit der Vernunft im Vorbcircnnen auf öffentlicher Straße gezeugt — nein! ich würde mich noch bitterer ausdrücken, wenn ich mich nicht erinnerte, daß wir beide selbst uns zu Zeiten herablasseu, einen Witz zu reißen". Nicht minder trefflich ist in seiner Prägnanz ein Ausspruch aus dem Jahre 1828: ״Meine Liebe für Menschengleichheit, mein Haß gegen Clerus war nie stärker wie jetzt, ich werde fast dadurch einseitig. Aber eben um zu handeln, muß der Mensch einseitig sein. Das deutsche Volk und Moser werden eben wegen ihrer Vielseitigkeit nie zum Handeln kommen". Diesen Lebcnscrnst bekundet er besonders als Jude. Daß Heine für das Judcnthum nach der Gestalt, in der er es kennen lernte, hätte Interesse gewinnen sollen, werden wir nicht erwarten. Schon in einem seiner ersten Briefe sagt er sehr bestimmt, er sei ״kein Enthusiast für die jüdische Religion", sei ein ״geborener Feind aller positiven Religionen" und ״werde nie für diejenige Religion sich zum Champion aufwcrfen, die zuerst jene Menschenmäkelei aufgebracht, die uns jetzt so viel Schmerzen verursacht", — ein Ausdruck, den er dem Lessing'schen Tempelherrn entlehnt. Er will nur zugegeben, daß wenn ״es auf eine Weise dennoch geschieht, es seine besonderen Gründe habe, Gemüthsweichheit, Starrsinn und Vorsicht für Erhaltung eines Gegengifts". Natürlich! Das offizielle Juden« thum war damals durchaus starr, die Bestrebungen des ״Vereins" drangen nicht in dessen Tiefe, cs fehlte ihnen das theologische Element, das spezifische jüdisch-religiöse Leben, wie es aus dem Born

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.