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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 4 (1862) · p. Seite 266

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
4 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 266 (sequence 22)
Language
German
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266 Mecensiorlen. Hohe der Zeit, hatte ein klares Urtheil über alle neueren ©rfcftctmnr gen, aber selten sprach er es ans, und wenn er es that wie in der gediegenen Necension über den ״bibel'schen Orient^, so kannten nur nähere Freunde seinen Namen. Aber im Kreise der Freunde da galt sein bescheidenes Wort viel, mehr noch sein trefflicher Charakter, der ihm die im Scherze geborenen, aber so ernst gewichtigen Beinamen brachte eines ״Epilog zu Nathan dem Weisen" oder eines ״Marquis Posa". Die Geschichte wirkt sicherlich ganz seinem Wesen entsprechend, wenn sie uns nicht indiscret seine traulichen Ergüsse in den Briefen an Heine verräth — so sehr wir, offen gestanden, darnach lüstern sind — und ihn uns blos erkennen läßt durch das herzliche Geplauder, welches Heine an ihn zu richten nicht müde wird. Wir erkennen darin Moser als den begeisterten Freund der Philosophie, den fähigen Sprach- und Alterthumsforscher, als den milden, liebenswürdigen Menschen, auf desseu Bereitwilligkeit zu Rath und That gezählt, dessen freundliche Anerkennung für jedes Verdienst und Nachsicht auch für Schwächen so bestimmt vorausgesetzt werden darf. Heine — nun wer kennt ihn nicht? Und dennoch wer kennt diese glühende und doch leichtbeschwingte Seele, diesen kräftigen vielseitigen Geist mit der unruhigen Springkraft ganz? Daß in diesen unmittelbaren Ergüssen an einen wabrcn Freund die ganze leichte Anmuth, der liebenswürdige Witz dieses Lieblings der Grazien hervortritt, daß cs auch an Frivolitäten nicht fehlt, die ihn zum ungezogencn Lieblinge der Grazien machten, — wer sollte Dies von vornherein nicht erwarten? Dem jugendlichen Heine — die Briefe sind sämmtlich aus den zwanziger, nur zwei aus den dreißiger Iahren —, wie er unbelauscht, nicht mit dem Publikum kokettircnd, sich giebt, zuzuhorcn, wie er flüchtig und leicht von Bestrebungen und Lebensvcrhältnissen spricht, mit sprühenden Witzesfnnken Alles beleuchtet, das bietet schon einen ausreichenden Genuß. Aber diese Briefe enthalten noch mehr; sie lassen uns einen tieferen Blick in Heine's Seele werfen, sie zeigen ihn uns in einem Lichte, das ihn reiner bestrahlt und umsomehr als er hier ganz absichtslos ohne umgelegtes Prachtgcwand sich darstellt. Man sollte fast glauben, seine Satyrnatur habe auf die Schriften für die Oeffentlichkeit den Cynismus absichtlich mit gröberen Tinten aufgetragen. Heine konnte ~ das lernen wir — ein Freund sein, sich liebend anschließen, selbst ohne daß seiner Eitelkeit dadurch geschmeichelt

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