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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 4 (1862) · p. Seite 265

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
4 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 265 (sequence 21)
Language
German
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Heine's Briefe. 265 schiedensteu Lebensberufen doch höherer Bildung und Gesittung lebten? wem nicht die edlen Frauengestalten einer Nabel, Henriette Herz u. A., die mit männlich stürmischem Geiste und weiblich weichem Gemüthe Vorläuferinnen der Romantik waren? wem nicht die Satyrsiguren eines Börne und Heine? Am Anfang des dritten Jahrzehents unseres neunzehnten Jahr- Hunderts war wieder ein merkwürdiger Einschnitt in die innerlich tiefbewegte Zeit eingetreten. Die äußere Bewegung war thcils von selbst erschlafft, theils zurückgedrängt; sie trat nach innen in das Heiligthum des Geistes. Die Philosophie, die Alterthums- und Sprachwissenschaft, die tiefere Geschichtsbetrachtung eröffnten neue Lösungen, jugendlich schwelgte der Geist in diesen neuen Erkenntnissen. Eine auserlesene Schaar junger jüdischer Männer fand sich bald in Berlin zusammen, welche sich ganz von dem neuen wissenschaftlichen Streben erfüllten und es für Juden und Judenthum fruchtbar zu machen suchten. Sie bildeten einen ״Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden", durch welchen eine ״Wissenschaft des Judenthums" erstehn und gepflegt, deren Früchte aber auch für das Leben der Gesammtheit gezeitigt werden sollten. Die treibenden Kräfte dieses Vereins waren Gans, der enthusiastische Verehrer der neuen Hegelschcn Weisheit, deren begeisterter und begeisternder Verkünder, und Zn uz, der gediegene Forscher der literarischen Geschichte des Judenthums. Mit der vollen Gluth der Idee und der Jugend ward der Gedanke von Genossen ergriffen, und auch ältere tüchtige Kräfte, ein Friedländer und Bendavid schlossen sich bereitwillig an. Zu den strebsamen jüngern Männern gehörten auch Heinrich Heine und Moses Moser, deren vertraulichen brieflichen Verkehr wir in der vorliegenden Schrift von Seiten des ersteren kennen lernen. Moser ist eine jener in sich schauenden Naturen, die mehr um die vielseitige und zugleich zur harnionischen Einheit sich gestaltende Ausbildung des eigenen Innern bekümmert, den geistigen Erwerb zugleich zum versittlichenden Eigcnthumc zu machen bedacht sind. Eine edle Natur, die in den gewöhnlichen Lebensverhaltnisscn verbleibend, still sich ihres Schatzes erfreut, selten nach Außen auftritt und auch dann im bescheidenen Gewände der Anonymität, wirksam aber durch die harnlonischc Persönlichkeit, durch gewinnenden Eindruck im engercn Verkehre, durch veredelnden Einfluß und durch thatdereite Hülfe für die Näherstehenden. Moser war Kaufmann, aber hochgebildet durch philosophische wie sprachliche Kenutuissc. Cr stand aus der

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