Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Recensionen 1. Briefe von Heinrich Heine an seinen Freund Moses Moser. Leipzig 1862. VH und 232 S. 8. Das letzte Jahrhundert hat unter den Juden mächtige, crschütternde Bewegungen hervorgerufen und höchst interessante Persönlichleiten erzeugt. Dir neue Zeit mußte um so mächtiger in denjenigen gährcn, welche mit höherer Empfänglichkeit ausgcstattet waren. Sie wurden vollständig vom neuen Geiste erfüllt und emporgctragen, aber sie begriffen und fühlten auch den vollen Gegensatz, in den sie damit zur Vergangenheit traten. In ihnen verbanden sich daher die einander widersprechendsten Stimmungen. Auf der einen Seite war es ein enthusiastisches Aufjauchzen, ein beseligendes Gefühl der geistigen Befreiung. Die Steigerung der Kräfte, welche erforderlich war, um das Fremde und ihnen dennoch so Verwandte sich anzueignen, gab ihrer ganzen Gcistesrichtung hohen Schwung und Adel. Andererseits aber mußte auch das quälende Gefühl an ihnen besonders nagen, daß gerade sie als Juden an den Schranken, die in ihrem eigenen Geiste beseitigt waren, im Geiste der Besseren der ganzen Zeit beseitigt sein sollten, sich fort und fort stießen, daß die thatsächlichen Verhältnisse ihnen den Zwiespalt der Ideen mit der Wirklichkeit offenbarten. Und nicht minder mußte ihnen im eigenen Kreise das Zurückbleiben des Judenthums, die Trägheit der Masse widerwärtig sein. Das regte in den Einen die Thatkraft umsomehr an, daß sie mit allen Mitteln nach den verschiedensten Seiten hin den Kampf führten, das führte Andere zu edlerer Verinnerlichung, so daß sic, die Zerfahrenheit der äußern Umstände ignorirend, die eigene Harmonie in sich auszubilden und darzustellen sich beschränktcn. Wieder Anderen prägte es ein romantisches Weh auf, in den Ungeduldigen weckte es den schneidenden Spott oder es verleitete sie zum Abfall. Wem fallen hier nicht alsbald die interessanten Persönlichkeiten Mendelssohn's und seiner Schule ein, eines Dr. Gumperz und David Friedländer, so vieler stillerer Genossen, die in den ver-