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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 4 (1862) · p. Seite 262

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
4 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 262 (sequence 18)
Language
German
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262 11. Die Levirats-isye. Der Umstand indessen, daß die Karä'er später von ihrer Deutung des Gesetzes zurückkamen, daß sic die ganze Levirats-Ehe wieder aufheben, dafür aber ein Surrogat suchten, indem sie sagten, Einer aus der Familie solle die Wittwc als Goel ehelichen und das אחים im Gesetze, das manchmal sonst eine weitere Bedeutung in der Schrift hat, an dieser Stelle aber freilich gewiß nicht, muß über dasAufsälligc hiuweghelfen. Von der Alternative, entweder das Gesetz ungewohnlich zu deuten oder aber, da sie sich an den Buchstaben des Gesetzes durchaus, oft selbst in der widersinnigsten Weise gebunden erachten, eine völlig fremd gewordene Institution wieder cinznführen, mochten die Karäcr die erste als die bessere betrachten, wie es ja auch jedenfalls die bessere war, und bei dem engen Kreise ihres socialen Lebens und bei ihrer stets nur geringen Anzahl mochte das in ihrer Gewalt stehen. Wenn aber diese karäische Auslegung, die frühere nä'mlich, auf die Sadducäcr zurückgcführt wird, von denen sie sic geerbt haben sollen, so will mir das bis weiteres gar nicht einleuchten, denn es spricht sehr vieles dagegen. Das Charakteristische der sadducäischen Schriftauslegung ist einfache, natürliche, oft buchstäbliche Erklärung. Eine solche Verdrehung des natürlichen Sinnes und Gedankens des Gesetzes in Deut, lag meines Dafürhaltens ihrer ganzen Richtung so fern wie möglich. Sie können auch keinen triftigen Grund zu einem solchen Kunststück der Schriftauslegung gehabt haben, denn ihre Blüthenzeit fällt mit der Zeit zusammen, in welcher die Levirats- Ehe und Chaliza noch neben einander bestanden, gleichberechtigt oder doch berechtigt. Noch eher müßte man vermuthen, daß sie, welche die Auferstehung leugneten, für das יבוב hätten sein müssen, um dadurch, daß er sagt: לא היו למהלון וכליון קדושין בהן, die Ehe des Machlon und Ehiljon wäre keine nach jüdischen Begriffen gewesen, die beiden Frauen wären נכריות gewesen und nicht zur Religion ihrer Männer übergetreten. Eigenthümlich lautet die Bemerkung Aben-Esra's: רבים מחברינו י חשבו כי זאת התשובה על המכחישים ,,viele Rabbinen finden in dieser Stelle eine Widerlegung der Ansicht der Karäer über die Levirats-Ehe". Dagegen bemerkt nun einfach Aben-Esra: diese Widerlegung trifft ja aber auch nicht minder die rabbinische Satzung. Er selbst saßt dann das Ganze als Wunsch: Ich wollte, ich hätte Kinder in meinem Leibe, ich würde sie euch geben, und will dadurch die rabbinische Satzung zu retten sich den Schein geben. Daß es ihm kaum ernst mit dieser Auslegung war, merkt man dem Commentar an.

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