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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 4 (1862) · p. Seite 254

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
4 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 254 (sequence 10)
Language
German
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254 11. Die Levirats-Ehe. daß, wenn ein Gebot oder Verbot im Deuter, sich nicht sindet, das in den andern Büchern aber steht, daß der Deutcronomist diese Ge- oder Verbote gar nicht anerkannte; oder umgekehrt, wenn im Deut. Vorschriften, Sitten sich verzeichnet sinden, die in den andern Büchern fehlen, wie gerade die Levirats-Ehe, daß sie nur ihm zu eigen seien. Solcher Annahme stehen die erheblichsten Schwierigkeiten entgegen, welche aufzuzählen hier zu weit führen würde. Wenn aber dieselbe Gesctzesgruppe in beiden sich findet und von einander wesentlich abweicht, wenn z. B. in der Gruppe von den verbotenen Thieren im Deut. שרץ הארץ ganz fehlet, שרץ העוף ganz, ohne Ausnahme untersagt ist, wahrend im Lev. שרץ הארץ in demselben Kapitel bald ganz bald theilweise als verboten aufgezählt, bei שרץ העוף hingegen, wie bei den andern Thicrreihen, ein Zeichen der Reinheit und ein solches der Unreinheit genannt, auch ausdrücklich mehrere Arten als erlaubt aufgezählt werden (Deut. 14, 26 ff. eonf. Lev. 11, 20 ff.), so kann dies nicht ohne Bedeutung sein. Oder wenn in Lev. überall neben dem Erlaßjahre das Jobcljahr figurirt, im Deut, aber nur das Erlaßzahr, nirgends aber das Jobcljahr eine Stelle hat (Lev. 25. conf. Deut. 15), oder wenn im Deut, bei Aufzählung der Festtage (16, 1 ff.) die Feier des ersten Tages des siebenten Monats, sowie des Versöhnungstages ganz mit Stillschweigen übergangen wird, welche in Lev. (23, 23 ff.) und in Num. (29, 1 ff.) gar sehr betont ist, so hat diese Differenz gewiß eine historische Bedeutung. Bei unserer Gruppe läßt es die Vcrmuthung zu, daß der Deutcronomist das Verbot der Heirathen in naher Verwandtschaft noch nicht so weit ausgedehnt haben will, wie in Lev. geschieht. Die Vermuthung, daß dieses Verbot überhaupt einem geschichtlichen Prozesse unterworfen war und erst nach und nach zu der Schärfe und Ausdehnung sich gesteigert hat, die ihm in Lev. beigelcgt wird, gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wird fast zur Gewißheit, wenn man andere Bücher der Schrift in Betracht zieht. Der Verfasser der Genesis würde nicht ganz unbefangen erzählen, daß Abraham von Sara gesagt, sie sei wirklich seine Halbschwester (20, 12), daß Jakob zwei Schwestern gcehelicht, daß Juda sich mit seiner Schwiegertochter eingelassen, aus welcher Verbindung dann das Geschlecht David's abstammt (Genesis 38, 1 ff. eonk. Ruth 4, 19 ff.), wenn das zu seiner Zeit ganz verpönte Handlungen gewesen wären, da er doch offenbar dem Ammon und Moab einen Makel anhängen will, indem er erzählt, daß diese aus des Vaters Beischlaf

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