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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 4 (1862) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
4 (1862)
Date
1862-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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II. Me Levirats-Ehe, ihre Entstehung und Entwickelung, eine abweichende Auffassung*). Die Wichtigkeit des Gegenstandes, der gespensterhaste Spuk einer ans der Nacht der Vergangenheit zu uns gelangten Einrichtung, die mit unfern Sitten und Verhältnissen oft Ln schneidenden Widerspruch kommt, oft Menschenglück, Familienglück zerstört, oft die lächerliche Fratze einer ursprünglich bedeutungsvollen, jetzt zum Zerrbilde gewordenen Ceremonie herbeiführt — das mag es rechtfertigen, daß Schreiber dieses das Thema nochmals aufnimmt und in möglichster Gedrängtheit seine Auffassung, das Resultat seiner Studien, veröffentlicht, die in vielen Punkten von der Auffassung Geiger's abweicht. I. Wenn man mit Aufmerksamkeit die verschiedenen Bücher des Pentateuch's vergleicht, so zeigt sich nicht blos im Punkte der Levirats- Ehe, sondern in der ganzen Gesetzgebung über verbotene Verwandtschasts-Heirathen eine nicht zu übersehende bedeutende Differenz. Wird im Leviticus כל שאר בשת, jede blutsverwandtschaftliche Geschlechts- Vermischung streng untersagt (18, 6 ff. 20, 11 ff.), so läßt der Deuteronomist in Kap. 27 nur den Fluch aussprechen über die fleischliche Vermischung mit dem Weibe des Vaters, also auch der Sticfmutter, mit der Schwester, auch der Stiefschwester, und mit der Schwiegermutter. Es fehlen die Enkelin, die Tanten, Schwester des Vaters oder der Mutter, die Frau des Onkels von väterlicher Seite, die Schwiegertochter, die Frau des Bruders; es fehlt das Verbot, Mutter und Tochter oder Enkelin, oder zwei Schwestern zusammen zu heirathen. Dieses Fehlen ist meines Erachtens von Bedeutung, ist uns ein Wink für die ganze Entwicklung des sittlichen Lebens bei den Israeliten. Wir sind zwar keineswegs berechtigt anzunehmen. *) Die in diesem Aufsatze, welcher auf meinen frühern ähnlichen Bezug nimmt, besprochenen Punkte greifen in so verschiedenartige Untersuchungen ein, daß ich, trotzdem ich dem Hrn. Vers, gegenüber bei meiner früher ausgesprochenen Ansicht verharre, eine weitläufige Beleuchtung der Differenzen dem Leser ersparen und ihn nur bitten möchte, vorläufig nochmals meinen früheren Aufsatz selbst vergleichen zu wollen. G.

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