Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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[. Alte Romantik, neue Reaktion. 251 gel, die Savigny, die Görres und die Chateaubriand u. A. gewesen, das werden nimmer die Eintagsfliegen unserer Reaktion werden. Wenden wir uns von diesen allgemeinen Betrachtungen zu dem Judenthum hin, so finden wir in seiner neuen Geschichte nicht ein volles Spiegelbild dieser geistigen Bewegungen. Und dies natürlich! Nur in einem religiösen Leben, das der freien Selbstbestimmung folgte, konnte der Rückschlag der Romantik eine innere Nöthigung haben und Einfluß gewinnen. Nur der Protestantismus, in dem der Rationalismus so mächtig geworden war, konnte sich in Sack und Asche hüllen, sich zu den Füßen der Romantik setzen und ihren Orakelsprücheu von der Herrlichkeit der vergangenen Zeit lauschen. Der Katholicismus war in seiner Starrheit auch früher dem Flusse der Bewegung unzugänglich, er konnte, er brauchte nun nicht die rückläufige Bewegung anzutretcn. Aehnlich erging es dem Judenthum. Es war wohl ein Bestreben vorhanden, sich zu verjüngen, umzugestallen, aber die Bleigewichte, die seine lange Erstarrung ihm angehängt, drückten so sehr, daß die Versuche nur spärliche Wirkung äußerten. Der Rückschlag der Romantik blieb ihm ganz unverständlich, er konnte höchstens retardirend einwirken, aber nimmermehr mit poetischen Streiflichtern die ganze todte unästhetische Masse beleuchten. Dennoch trat Isaak B er nah s als Vertreter der Romantik auf; wissenschaftlich mußte er ganz spurlos dahingehen, amtlich und praktisch die Bleigewichte fest zu nieten, mochte ihm allerdings besser gelingen. Ganz anders ging es mit der neuen Reaktion. Sie, die nicht das Alte geistig verjüngen, sondern es blos als brutale Thatsache erhalten wollte, sie fand natürlich auch da, wo nur die Thatsache herrscht, umsomehr ihre Vertretung. Der Katholicismus suchte die Herrschaft mehr und mehr zu befestigen, der Ultramontanismus erstickte alle innere Freiheit, die kirchliche Monarchie verschlang alle anderen bis dahin anerkannten rechtmäßigen Gewalten, Behauptungen, denen man früher die Sanktion als Dogmen zu geben nicht wagte, wurden nun als solche hinzestellt. Wo cs Herrschaft der Thatsache«, nicht der Gründe, der Gewalt, nicht des Geistes gilt, da weiß der Katholicismus auch seine Ernte zu halten. Und mit ihm fraternisirte das orthodoxe Judenthum. Herrschaft des Alten ohne Nöthigung, seine Berechtigung nachzuweisen, nackte Annahme ohne Begründung, Unverbrüchlichkeit des Schulchan aruch, weil er geschrieben worden, nicht weil er der wahrhaft geistige Inhalt des Judenthums