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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 4 (1862) · p. Seite 248

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
4 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 248 (sequence 4)
Language
German
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248 l. Alte Romantik, neue Reaktion. schließende Verflachung, nur daß man leider der eigenen Flachheit nicht inne ward. Denn bei aller Tiefe, in die man sich versenkte, bei aller Breite, die man nach allen Seiten hin spähend gewann, bei aller reichen Mannichfaltigkeit, die man aufzugraben wußte, entbehrte man der strengen Zucht des Gedankens. Ist aber die Willkür, welche sich regellos gehen läßt, nicht auch Flachheit? Ist die Einseitigkeit, mit der man in Gefühl und Phantasie schwelgt und des Gedankens spottet, nicht auch Flachheit? Die Romantik war eine geistige Verirrung, als welche sie längst erkannt und überwunden ist, aber sie hatte ihre geschichtliche Berechtigung und wirksamen Einstuß in ihrer poetischen Vertiefung, in dem mannichfaltigen Ausbaue, in der fruchtbaren Anregung, die von ihr ausging. Sie war ein hochmüthiges Uebcrspringen von erkannten Regeln und Gesetzen des Geistes, aber sie tauchte in dessen unerkannte Gründe, und sie war ein Protest gegen die Trivialität. Wir erkennen nunmehr alle ihre Bizarrerien, ihre Schwächen, aber wir begreifen sie, wir verdanken ihr den Antrieb zur tieferen Ergründung, verdanken ihr eine ungemeine Ausbreitung unserer Kenntnisse, wir haben durch sie ein Verständniß gewonnen für fremdartige, anerkennende Liebe für ehedem verkannte Geisteserzeugnisse. Wir sehen nunmehr ein, daß sie höchst einseitig und willkürlich verfahren, aber wir freuen uns doch ihres oft genialen Uebermuthes, wir begreifen ihr süßes Träumen, ihr poetisches Schwelgen. Wir verwahren uns entschieden gegen ihren Anspruch auf Attgemeingültigkeit, aber wir können es wohl verstehen, wie man einen hohen Genuß darin finden konnte, sich in ihren Zaubergärtcn zu ergehen, wie man innig sich in ihre Phantasien versenkte und mit wahrer Liebesgluth ihr Streben umfaßte. Sie trat als ein Neues auf, sie war ein reinigender Sturm mit erleuchtender; Blitzen, sie trug eine Begeisterung irr sich, die bewältigte. Sie schöpfte aus dem Mcnschengeiste, wenn auch mehr aus seinem Dämmern, aber nicht aus nacktem trockenem Dogmatismus, sie schuf oder glaubte zu schaffen, aber sie nahm nicht blos gedankenlos hin. Sie vergeistigte das Vorhandene, das Gewesene, sie wollte nicht den eigenen frischen Geist dahingeben, um einen alten verwesten Leichnam dafür cinzutauschen. Freilich arbeitete sie im Interesse des Dogmatismus, der Gedankenlosigkeit, der Leichen, und diese erdrückten sie mit liebkosenden Umarmungen. Aller langst überwundene Unsinn, alle Widervernunft wollte sich nun wieder erheben und erhob sich auch, und sie verschuldete es. Das ist die Schuld,

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