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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 4 (1862) · p. Seite 247

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
4 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 247 (sequence 3)
Language
German
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Alte Romantik, neue Reaktion. 247 Hang des Menschen mit der ganzen Natur, mit der hohen Macht, die alles Dasein geschaffen und schafft, die enge Verbindung der Gegenwart mit der in undurchdringliches Dunkel hineinragenden Vergangenheit wurde mit besonderem Nachdrucke betont. Der Urgrund der Menschenseele, der im Einzelnen wie in der Gesammtheit wirkt, ohne daß man sich dessen bewußt wird, wurde in seiner ganzen Macht vorgeführt, so daß man vor ihm bewundernd still stehen, sich von ihm leiten lassen müsse, ohne die Anmaßung in sich nähren zu dürfen, daß man freitbä'tig sich selbst Ziel und Richtung vorschreibe. Naturwüchsigkeit ward das Losungswort, Uroffenbarung, die dunkel an den Menschen herangekommen — der Urgrund aller Weisheit und Erkenntniß, Ahnung — einziger Inhalt, plötzliche Erleuchtung — einziger Antrieb altes Wissens; was die Geschichte unbewußt geschaffen, sollte unverbrüchlich bleiben für alle Zeiten, kein Rost des Alters konnte es zerfressen. Die kindlich stammelnde Weisheit von Urvölkern, und als ein solches galten besonders die Inder, war der unmittelbare und vollste, weil unbewußte aber auch ungetrübte Ausdruck des noch nicht zersplitterten, noch im ungebrochenen Zusammenhänge mit dem Gottesgeiste verharrenden Menschengeistes. Man liebte cs, jene alten Ueberreste in das graueste Alterthum hinaufzuversetzen, man warf sich mit allem Eifer, wie ihn der Forschertrieb nährt, mit aller Begierde, wie sie die Entdeckungsreise auf dem heiligen Gebiete der geistigen Menschheit anregt, auf Studien dieser Art; in diese unwegsamen Gegenden, die der Willkür weiten Spielraum lassen, verpflanzte man alle seine Ideen, die man dann von dorther als köstlichen unantastbaren Fund zurückbrachte. Das Gesetz einer besonnenen Prüfung, des ruhig fortschreitenden Gedankenganges ward verspottet; Geistcssprünge bürgten, so barokk sie auch sein mochten, gerade als Stempel der Genialität, für die Aechtheit und Ursprünglichkeit der Behauptung. Das Mittelalter ward gerade weil es träumte, um so ahnungsvoller, weil es nicht mit dem Verstände zersetzte, um so ehrwürdiger, um so wahrhafter. Gegenüber dem Zerstückelten, das eine jede Gegenwart darbietet, erschien die Vergangenheit als ganz, unzerbröckelt, der man sich auch wieder kopfüber in die Arme werfen müsse. Das war eine tiefbewegte, ahnungsreiche, tiefgrabende Richtung, die in Poesie, Philosophie und Religion neue Gebiete durchforschte, neue Anschauungen eröffnctc, ein buntes farbenreiches Leben erzeugte. Es war ein stürmischer Protest gegen die selbstbefricdigte, ab- 17*

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