Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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246 [. Alte Romantik, neue Reaktion. schrieb, sollte die mm aus der liefern Erkenntnis; erwachsende treten. Heldenmüthige Geister pflegten diese neue Richtung, die die Bürgschaft ihrer Wahrheit darin hatte, daß sie von den edelsten Säften der Edelsten genährt war und ward, daß sie die Frucht der reichsten und tapfersten Geistesarbeit war. Die Ergebnisse drangen Ln weitere Kreise, sie wurden popularisirt; damit aber büßten sie das Gepräge der ernstesten Hingebung ein, man merkte ihnen nicht mehr an, daß sie im Gcisteskampfe errungen worden. Die Liebe, die sich mit der mühsamen Psiege steigert, war bei denen kühl, die sie leicht und oberflächlich sich ungeeignet; die sittliche Großheit ging in dem gewöhnlichen Leben verloren. Das ist das Loos einer jeden, auch der großartigsten Idee. So lange sie concentrirt ist in ihrer Geburtsstätte, in ihrer ursprünglichen Heimath verbleibt, strahlt sic in voller Kraft und Schönheit. Wenn sie dann siegreich in alle Sphären des Lebens eintritt, verliert sie mit dem weiteren Umfange, den sie gewinnt, an Intensität, sie vermischt sich mit den gemeinen Lebensverhältnissen, denen sie Veredlung gewährt, die ihr jedoch die Trübung der wirklichen Dinge anheften. Die Popularphilosophie, der alte religiöse Nationalismus machten diesen Eindruck. Bleiben wir zunächst auf dem religiösen Gebiete! Die Geschichte der Urzeit wurde nüchtern wie Alltagsbcgebenheiten behandelt, ein Geistesleben, das so mächtig und begeisternd in die Entwickelung der Menschheit eingriff, wurde in seiner Tiefe verkannt, an die tiefste Poesie, wie sie die Kindheit der Menschheit nur erzeugen konnte, trat man hinan mit bornirtem prosaischem Sinne, mit natürlichen Erklärungen. Diese Verflachung mußte tiefere Geister abstoßen. Hausbackene Moral, die sich auf sich selbst stellte, ohne alle Ahnung, wie auch die ethischen Ideen in der Sehnsucht der Menschheit nach ihren höchsten Zielen wurzeln, konnte innige Gemüther nicht befriedigen. Und dabei hatten sich gerade die flachen Geister mit den breitgetretenen Wahrheiten des großen Wortes bemächtigt, und das rasche Absprechen über die tiefsten Fragen, bei denen doch blos das Falsche bald erkannt, aber das Nichtige nicht leicht gefunden wird, empörte die ernsten Forscher wie die Männer mit genialem Tiefblicke. Ein Sturm der Entrüstung und des Hohnes erhob sich gegen die Diktate des flachen „gesunden Menschenverstandes". Die geheimnißvollen Tiefen des Menschengeistes und der Menschenbrust, die noch ungemessen waren und nie ganz ermessen werden, wurden mit Vorliebe aufgewühlt. Der Zusammen-