Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2420973-2420974-2420978--0253-2421414- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Abhandlungen. I. Me Romantik, neue Reaktion. Als ich im Jahre 1848 so manche Reden von Unberufenen hörte, in denen große Worte die Armuth der Gedanken verschleiern, deren Tiefe ersetzen sollten, da sprach ich zu einem Freunde: „Nun begreife ich die Romantik!" Ja, ich begriff und begreife sie, wenn ich auch ihre Stimmung nicht theile. Es ist ein tiefer Schmerz, wenn man das, was mit ernstester Geistesarbeit errungen, als tiefster Gehalt des angestrengtesten Nachdenkens, als Resultat eines langen Geistesprozesses erworben worden, nun flach angeeignet wiederhallen hört, das in Liebe gepflegte Kind so elternlos als aller Welt Eigenthum hin und her geworfen sieht. Liebte ich darum die Freiheit weniger? Bewahre! Aber gerade weil sie mir heilig war, war mir eine unwürdige Besprechung derselben, flaches Gerede, das sich daran knüpfte, widerwärtig, und ich begriff, daß empfindlichere Gemüther sich deshalb von ihr abwenden konnten. Das ist die Wurzel der ehemaligen Romantik. Der erstarkte Volksgeist hatte sich in Lessing, Kant und Genossen in seine eigenen Tiefen versenkt und, seiner Vollkraft vertrauend, neue Wahrheiten aus sich selbst zu schöpfen gewußt; er hatte eine neue ursprüngliche Dichtkunst aus sich geboren in Lessing, Göthe, Schiller. Das blos Ererbte ward zum Schatten, die äußerliche Gelehrsamkeit mußte der innerlichen Wissenschaft weichen, an die Stelle der konventionellen Form der Handlung, wie überlieferte Religion und Moral sie vor- Vierteljahrschrist. I. 4. 17