Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 3 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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230 Journal-Revue. alberne Schwätzer, der dem gleichgültigen Geschehenlasscn des Verbrechens, der Straflosigkeit unsittlicher Gemeinheit die Duldung, die Anerkennung innerster Ueberzengungen, der Resultate des ernstesten und daher sittlichsten Nachdenkens gleichstellt, Beides als ״Gottlosigfeit" brandmarkend, fährt dann mit einer schrecklichen frömmelnden Bosheit fort: ״Man will in unscrm Jahrhundert die Abschaffung der Sclaverci erwirken. Als wenn nicht auch diese zu den aberwitzigsten Plänen menschlicher Weisheit gehörte, die der Allmacht vorauslaufcn will und doch nie etwas Gutes damit ausrichtet! Auf dem Geschlechre Ham's ruht noch Gottes Fluch!" Der Aberwitz, der den Menschen räth, die Hände in den Schoß zu legen und die ״Allmacht" überall wunderbar eingreifen lassen will, verkennt natürlich das Wirken und Wehen des allmächtigen Geistes in dem ganzen Laufe der Geschichte, er versteht Nichts von fortschreitender Entwickelung; die Umgestaltung der bürgerlichen Zustände ist ihm, dem Sohne der spanischen Paria's, Sünde, Auflehnung gegen Gott. Nachdem er gegen Constitution geeifert, fährt er fort: ״Wie die königliche Macht, so will unser philosophisches Jahrhundert auch jede Unterscheidung der Geburt wcgräumcn, weil die Geburt kein eigenes Verdienst sei, und sic setzt an deren Stelle das Verdienst, d. h. Hand-- lungen, die wir doch auch nur durch Eigenschaften erreichen können, die wir nicht uns selbst, sondern Gott verdanken. Aber ebenso wie diese ist auch die Geburt kein Zufall, sondern von der Vorsehung angeordnet und mit Rechten und Pflichten verbunden." Hier haben wir die tiefste Wurzel der Persönlichkeit da Costa's, wenn er sich ihrer auch nicht klar bewußt geworden sein mag: er ist und bleibt der stolze spanische Jude, der an seinem verblichenen Adel zehrt. Er ist Christ geworden und natürlich so mittelalterlich wie in Holland möglich, ein Reformirter nach dem strengsten Kaliber der Dortrechtcr Synode, aber er bleibt dennoch ״Sepharade". ״Er fühlte sich immer", wie der Ncf. Ln dem Protest. Monatsbl. sagt, ״als Judenchrist gegenüber der Kirche aus den Heiden", nnd Chantepie de la Saussaye schildert ihn in seiner Gedä'chtnißrede als ״den Israeliten, der über der Heidenkirche steht, gegen sie zeugt und auf ihre Zukunft hinweist". Ausführlicher spricht sich darüber sein glühender Verehrer Schwartz aus Ln dem Vorworte zum Cataloge seiner hinterlassenen Bibliothek sS. IV ff.): ״Da Costa war ein Christ, ein israelitischer Christ. Er war nicht nur im Allgemeinen von dem innigen Zusammenhänge des Alten und Neuen Testaments überzeugt, sondern