Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 3 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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Isaak da Costa 229 stolzen spanischen Namen als verkommene Adlige gegenüber dem aufstrebenden intelligenten deutsch-jüdischen Bürgerthnme. Statt mit ihren glanzvollen Erinnerungen, ihren reichen Mitteln, der in ihrem Kreise ererbten Bildung und gebildeten Sitte sich der lebensvoll strebenden jüdischen Gesammtheit anzuschließen, ihr als Führer zu dienen auf dem Wege der Entwickelung, mit ihnen zusammen sich einznleben in die neue Zeit, blicken sie verdrossen auf die Nivclliruug, die ihre bevorzugte Stellung verdunkelt, bleiben sic theilnahmlos bei allen Fragen der bürgerlichen wie der religiösen Wiedergeburt. Nun werden wir Isaak da Costa, über den das vorjährige Octoberheft der ״Protestantischen Monatsblätter" (S. 201 — 269) einen ausführlichen Artikel bringt, erst recht verstehen. Am Ende des vorigen Jahrhunderts geboren, geistvoll, mit dichterischen Anlagen, aber schwärmerisch und stolz, in einer am Alten Hangenden, aber doch und gerade deshalb indifferenten Umgebung erwachsen, auf Schule und Universität die Eindrücke der Wissenschaft und Kunst aufnehmend, kann er nicht in dem engen Kreise verbleiben, er wird mit seiner jungen Frau Christ. Aber nicht um in das frische Leben der Gegcnwart sich zu versenken, nicht um veraltete Herrlichkeit erbleichen zu lassen. Vielmehr war er kaum (20. Sept. 1822) in die reformirte Kirche ausgenommen, als er (1823) mit einer heftigen und bitteren Flugschrift, mit ״Beschwerden gegen den Geist des Jahrhunderts (Bezwaren tegen den geest der eeuw)" auftrat. ״Sie enthält eine Reihe kürzerer Aufsätze über Gottesdienst, Sittlichkeit, Toleranz und Menschlichkeit, über Künste und Wissenschaften, über Constitution und Recht der Geburt, über öffentliche Meinung und Unterricht, endlich über Freiheit und Aufklärung; in all diesen Beziehungen wird das 19. Jahrhundert, das sich hochmüthig in jeder Beziehung des Fortschrittes gegen die früheren Zeiten rühme, mit diesen verglichen und sein niederer Standpunkt nach gewiesen." Es ist schwachvoll, wenn wir den* einseitigen Fanatiker, ihn, den Nachkommen gequalter, um des ״Glaubens" willen in ihrem innersten Hciligthumc geknickter spanischer Juden ausrufen hören: ״In der That finden wir keine einzige Untugend früherer Zeiten vermindert und die Aus- Übung keiner einzigen Tugend befördert, aber wir finden statt dessen den Preis des Zauberwortes der Toleranz. Gewiß würden es die Wölfe tolerant nennen, wenn Hirten und Hunde schlummcrten und die Schafe ihnen zur Beute ließen, oder auch die Insassen der Strafanstalten, wenn die Obrigkeit ihre Bande löste." Der D!erre!jahrschli׳l. I. 3. 16