Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 3 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2420973-2420974-2420977--0234-2421394- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Isaak da Costa. 227 zwiefach Fremde. Sie lebten geistig noch immer in Spanien, sie sprachen, schrieben, dichteten spanisch, sie lebten als stolze spanische Hidalgo's, und waren zugleich spanische Juden mit dem vollen Bewußtscin alten Adels und Einflusses. Ihr Judenthum selbst war ein Judenthum der stolzen Ueberlieferung, nicht der lebendigen Gegenwart, ein Streben, die Zustände, wie sie sie vor mehr denn zwei Jahrhunderten verlassen, wieder unverändert Herzustetten, nicht aber sic mir den Veränderungen, die in ihnen selbst vorgegangen, welche die Zeit bewirkt hatte und welche die vollständig neue Bewegung des Staatslebens verlangte, in Einklang zu bringen und für weitere Entwickeluug empfänglich zu machen. Kühnere Geister mußten diesen Zwiespalt fühlen, ihre heiße Sehnsucht war nicht befriedigt. Uriel d'Acosta rüttelte an den neuen Ketten, die seinem unruhigen Geiste geschmiedet wurden. Mit dem Christenthume hatte er gebrochen, er fand aber auch in dem rabbinischen Judenthume das Bild des Pharisäismus wieder, wie er es aus den Evangelien vor Augen hatte; hin und her schwankend fand er sein Ende im Selbstmorde. Heldenmüthiger wußte sich Baruch Spinoza in sich selbst zurückzuziehen; er blieb dem Christenthume wie dem Judenthume fern, schuf eine neue Philosophie, ward der Vater der biblischen Kritik, und begnügte sich als unerkannter Glasschleifer zu leben. Andere suchten in weitaussehenden Unternehmungen, in neuen Ansiedelungen in Brasilien und England, ihren inneren Drang zu befriedigen; so Manasse ben Israel, Raphael d'Aguilar, Isaak Aboab u. A. Aber der Grundcharakter der Gesammtheit blieb fest in dem geschichtlichen Gepräge. Als attmä'lig Holland eine große Anzahl jüdischer Ansiedler aus anderen Ländern gewann, da hielten sich die stolzen ״Sepharadim" von ihnen durchaus fern, sie vermieden und vermeiden die eheliche Verbindung mit ihnen, sie glauben ihren alten Adel nnvermischt erhalten zu müssen. So lebten und leben sie in der Vergangenheit, und so mußten sie den! allmäligen Hinschwinden verfallen — wie denn ihre Anzahl immer abnimmt —, ihre ganze Bildung mußte eine abgestandene werden. Es wäre befremdend, wie diese Männer von allgemeiner Bildung, feinen Sitten, Wohlhabenheit, äußerer Achtung und unbeengter Stellung so wenig Bedeutendes zu erzeugen vermochten, wenn wir nicht die Lösung dafür in ihrer befangenen Jsolirung hatten. Ihre wissenschaftlichen Arbeiten sind bei mancherlei gelehrter Vielseitigkeit in jeder Beziehung ohne alle Bedeutung. Religions-