Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 3 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Isaak da Costa. 225 Stolz, den sie selbst gegenüber fremden Glaubensgenossen genährt, mit dem sie prunkend das Prophetenwort (Obadia 20): ,,die Exulauten Jerusalems, die in Sepharad" ans sich bezogen und danach sich benannten, war ein vaterländischer, der ihren Einfluß im Staate bezeugte, ihren Einfluß auf die Juden anderer Länder eher erhöhte. Da versengte am Ende des 15. Jahrh. der giftige Seirocco des Fanatismus alle Blüthen der Humanität auf der iberischen Halbinsel, die Juden wurden vertrieben. Sie wanderten in großen Massen nach nicht christlichen Ländern, nach Afrika und dem ein Menschenalter vorher zur Türkei gewordenen byzantinischen Reiche, aber auch nach Italien. Als volle Juden, als jüdisch gelehrte und vielseitig gebildete Männer, als Märtyrer ihres Glaubens traten sie in die dort bereits bestehenden jüdischen Gemeinden ein und erlangten die verdiente Bedeutung. Es fehlte in der Türkei Anfangs nicht an Eifersüchteleien zwischen den einheimischen griechischen Juden und den eiugcwandcrten Sepharadim; doch verschmolzen sie bald dort wie in Afrika mit den früheren Bewohnern, und nachdem sie noch manchen tüchtigen Mann hervorgebracht, versanken und versinken sie immer mehr in die dort überhand nehmende Verwilderung und gerathen mit in das Chaos, das immer unentwirrbarer sich gestaltet. — Nach Italien waren blos Einzelne gezogen, sie fügten sich bald in den Organismus der dortigen Gemeinden, die ihnen an Bildung kaum nachstanden und die bald in frischem Aufschwünge neue Bildungs- Elemente in sich anfnahmen, und blos kleine Besonderheiten konnten die Sepharadim sich erhalten. Eine große Anzahl jedoch wurde vom spanischen Vaterlande machtiger gefesselt; sie konnten sich nicht von ihm losreißen. Bei den Meisten war es sicher nicht um dem Verlust ihrer zeitlichen Güter abzuwenden, sondern um der Entfernung vom geliebten heimischen Boden zu entgehen, daß sie sich scheinbar dem auferzwungenen christlichen Bekenntnisse fügten. Wie ihre Vorfahren nahe an fünf Jahr- Hunderten früher unter den arabischen Almohaden sich eine Zeit lang unter dem Scheine des Islam verbargen, so glaubten auch sie wohl, es werde der Sturm vorübergehen und sie konnten dann wieder aus ihrer Verborgenheit als Juden hervortreten. Allein wenn des Arabers aufflammendes Feuer flüchtig war wie sein Roß und die Glaubenswuth bald erlosch, so war die fanatische Gluth des christlichen Spaniers mit seiner Inquisition tief und zehrend und wuchs mit der Nahrung, die ihr die Opfer ihrer ketzerrichterlichen Wuth darboten.