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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 3 (1862) · p. Seite 224

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
3 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 224 (sequence 60)
Language
German
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224 Journal-Nevue. dieser Abgeschlossenheit hört auf ehrwürdig zu sein, kann höchstens romantisches Mitleid erwecken, fuhrt aber nothwendig zur gänzlichen Verkümmerung, zum Verfalle des sich absperrenden Kreises. Diese Bemerkungen sinden ihre Anwendung auf die Juden insgesammt; fast achtzehn Jahrhunderte kämpfen sie mit diesem tragischen Geschicke, aber sie kämpfen männlich. Sie haben es verstanden, sich überall in das neue Vaterland, wo sie es gefunden, einzulebcn, an seinen theuersten Interessen mitzuarbeitcn, dessen Bildung lebendig in sich cinströmcn zu lassen und sie mitzufördern. Sie haben ihre geschichtlichen Erinnerungen nicht aufgegeben, und sie dürfen sie nicht aufgcbcn, insoweit sie ihre religiöse Besonderheit enthalten und die Nahrung bieten für ihren weltgeschichtlichen religiösen Beruf auch in der Zukunft. Anders wäre es, wenn die geschichtlichen Erinnerungen sie noch immer als die Ausgetriebeneu aus Palästiua, als die Söhne des fernen Ostens, als die Glieder eines nichtexistirenden Staates festhaltcn wollten, wenn ein romantisches Weh sie immer mit dem Andenken an die verblichene Herrlichkeit durchzuckte, wenn sie Sitten und Gebräuche, die sich in wunderlicher Weise altertümlich und orientalisch mit ihren religiösen Anschauungen verschlungen haben, hartnäckig bewahrten. So lange der feudale Staat sie als besondere Clafse in sich duldete, so lange er sie als die unstäten Heimathlosen, als die zeitweiligen Durchwanderer kennzeichnete, konnten auch sic sich in dieser inneren Besonderheit erhalten; in dem freien Staate, der auch in ihnen volle Bürger erkennt, muß aus eigenem thatkräftigern Entschlüsse alles Absondernde, das in die religiöse Idee durch die verschlungenen Gänge der Geschichte eingeschmuggelt worden, beseitigt, alles romantische Wehklagen abgethan werden, sie müssen harmonisch mit cingreifen, wenn nicht die frische Macht des Staates sic zertrümmern soll. Von besonderem Gewichte ist diese Betrachtung für die jüdischen Flüchtlinge aus Spanien und Portugal. Fast ein Jahrtausend hatten zahlreiche jüdische Gemeinden dieses neue Vaterland mit innigster Liebesgluth umfaßt, an allen seinen Geschicken den eingreifendsten Antheil genommen, in den verschiedensten Lebensstellungen zu seinem GHeihcn mitgcarbeitet, aus den Quellen des geistigen Lebens unter den Arabern gierig geschöpft und den Boden befruchtet, aber auch im christlich gewordenen Spanien, trotzdem alsbald unheimlich der Glaubenshaß zu brüten ansing, haben sie die vaterländische Literatur gepflegt, als ächte Spanier sich gefühlt und gewirkt. Der spanische

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