Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 3 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Journal-Revue. ihm — Luzzatto — selbst oder durch einen Engel zu offenbaren, hätte ja die volle Freiheit und Verdienstlichkeit seines Strebcns zerstört; auch ein Herz von Stahl wäre durch eine solche Offenbarung zerschmolzen, Gott aber liebt nicht die erzwungene, sondern die freie Frömmigkeit. Wie nun die Freiheit mit der anregenden Verheißung verbinden? Doch fehlt es Gott nicht an Mitteln, die Widersprüche zu versöhnen. So ließ er ihm denn am Abende des Versöhnungstages ein Zeichen zukommen, )vorüber die Gemara, Joma Ende, stch mit folgenden Worten ausspricht: הרואה קרי ביום ר,כפורים יראג בל השנה כולה ואם עלתה לו שנה נוובטה לו שהוא בן העולם הבא, תרע שכל העולם כולו רעב והוא שבע. Er durchlebt das Jahr, ist seiner künftigen Seligkeit versichert, dankt dafür im feurigen Liede und verspricht, seine Feder nun zu gebrauchen, ohne Scheu auch gegen die Kabbalisten zu Felde zu ziehen. Der 61jährige Luzz. weiß zwar, daß dieses Lied auf eine אמונה מוכת begründet sei; allein dieser falsche Glaube, meint er, habe ihm sehr genützt, er habe kein anderes Lied mit solcher wahren Gluth gedichtet, und, sagt er in Ozar nechmad III S. 16, wahrhaft wissenschaftliche Leistung ist, die innere Entwickelung eines Menschen nachzuweisen, und — so läßt er das Gedicht jetzt drucken. Wir gehören zu demjenigen Leserkreise, der sich zu den Kindern einer solchen Phantasie wenig hingezogen fühlt und suchen uns daher lieber einige Mittheilungcn auf, die wissenschaftlichen Inhalts sind. Nach dem was ich über den karä'ischen Dichter Moses Dari in der Zeitschrift der DMG. Bd. XV S. 813 ff. und unabhängig davon, aber vollkommen übereinstimmend Schorr in He-Chaluz VI S. 57 ff. nachgewiescn, ist cs überflüssig, über die Dichtungen des Mannes, welche hier S. 24—26 weiter von Pinsker mitgctheilt werden, noch zu sprechen. Doch giebt das erste Gedicht noch eine weitere Bestätigung für die Jugend Dari's. Alle sind nämlich me- Irisch, und das erste, das zugleich das Akrostichon des Verfassers enthält: משה קרא חזק*), hat folgendes Versmaß: drei Vocale, *) Dieses Gedicht sowie andere, die akrostichcntisch und metrisch zugleich sind, weiche Pinsker bereits in Lickute (Text S. 58. 80. 98 das zweite) mitgetheilt hatte, genügen zur Würdigung der neuen Wendung, welche Hr. D1\ Grätz der von ihm festgehaltenen Ansicht von dem hohen Mer Dan's in der Vorrede zu seiner ״Blumenlese" S. V giebt: ״Die metrischen Verse, welche sich in dem Divan des Karäers Mose Darai befinden, gehören offenbar nicht ihm, sondern späteren Plagiatoren an"!