Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 3 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Hai Gaon und die Philosophie. 215 einmal die bedeutende thalm. Gelehrsamkeit des Samuel Nagid rc. Samuel war, wie oben gesagt, früher Kaufmann, er ward durch die Gunst des Khalifen zu hohen Würden, auch zum Haupte der dortigen Judenheit erhoben; nun konnte auch erst seine Gelehrsamkeit sich bekunden, sein Nnf sich verbreiten. Was konnte der alte Hai von dem jüngeren Manne wissen, was zu der Zeit, da wahrscheinlich der Briefwechsel Statt gefunden, nämlich kurz nach der Erhebung Samucl's? Damals war er sicher in dieser Beziehung noch ziemlich unbekannt; später galt er freilich auch als eine thalmud. Autorität, und gerade da sollte ein Falsator aus dem 13. Jahrh. ihn durch Hai ״halb und halb als Idioten" behandeln lassen, er hätte ihn nicht vielmehr alle Verehrung gegen seinen berühmten thalm. Zeitgenossen an den Tag legen lassen, er hätte es überhaupt nicht gescheut, Samuel in dem Lichte zu zeigen, als wäre er den philos. Studien geneigt gewesen und hätte erst der Ermahnung Hai's bedürft? — Aber es ist ja ״offenbar", daß das Sendschreiben ״gegen Maimuni's Theorie, wonach man vermöge der Philosophie sich die wahre Erkenntniß Gottes aneignen könne, polemisirt". Als hätte je die Philosophie unter den Arabern, die zunächst Religionsphilosophie, denen die Metaphysik die sapientia divina, die הכהל אלחית war, etwas Anderes behauptet! Ich glaube so recht aus S.'s Worten, die Hai abwchrt, den enthusiastischen Verfasser der ״Königskrone" herauszuhören, der auf allen Stufen des Denkens zu Gotte jubelnd emporsteigt, nimmermehr aber einen Anhänger des Maimonides, und aus Hai nicht einen Kämpfer aus der Zeit dieses Streites, sondern einen Mann, der Samuel Chofni und die Zustände in Bagdad vor Augen hat. Anthropomorphismen und -pathismen bei Gott, leibliche Auferstehung oder rein geistige Fortdauer, das sind die Streitfragen, die am Anfänge des!3. Jahrh. hervortreten; nicht mit einem Worte deutet das Sendschreiben auf diese Gegenstände. Es hält sich ganz im Allgemeinen, spricht mit der vollsten Ruhe, nicht wie in der Hitze des Kampfes, kurz spricht wie Hai zu Samuel, wie ein hoher Würdenträger znm andern, am Anfänge des 11., nicht wie der ״Fabricant einer Tendenzschrift" am Anfänge des 13. Jahrh. Aber Hr. Gr. treibt seine kritischen Zweifel noch weiter. Ob das Sendschreiben gar überhaupt von Nachmanides angeführt werde ist ihm ״noch sehr zweifelhaft". ״Denn wenn sich schon Nachmani darauf berufen hätte, so würden es nicht Abba-Mari und Ben-Aderet als einen ganz neuen Fund so sehr hervorgchoben haben". Allein 15*