Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 3 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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212 Journal-Revue. Handschrift, die später verglichen wurde, bestätigte gleichfalls diese Angabe. So war denn Hai von der Entstellung, in die ihn Apologeten- Halbheit brachte, befreit, der literarische Thatbestand gesichert. Da tritt nun neuerdings Hr. Grätz a. a. O. auf und giebt zwar zu, daß ״die Lesart im Briefe des Nachm, nach der Ausgabe Delm.'s ein späterer Zusatz eines Kopisten (?) sei, der halb und halb für die Wissenschaft apotogisiren wollte," stellt jedoch eine neue Vermuthung auf,. die alles bisher Verhandelte über den Hansen werfen würde. Mag nun auch ihn der Drang, für Hai oder die Philosophie oder für beide zugleich als Apologet aufzutreten, oder die Lust an neuen unerhörten Lösungen getrieben haben, kurz er bringt mit dem zuversichtlichsten Tone einen kritischen Einfall vor, an dein nicht blos die Neuheit, sondern auch die Kurzsichtigkeit aller bisherigen Kritiker, die ihm diese wie so manche andere Entdeckung anfsparten, überraschen muß. Die Ueberschrift giebt uns schon die ganze Entdeckung, sie lautet: ״Ein pseudepi graphisch es Sendschreiben, angeblich von Hai Gaon an Samuel Nagid", und der Anfang des Aufsatzes selbst sagt u!is das Ausführlichere mit folgenden Worten: ״Es ist noch nicht allgemein gewürdigt, daß Maimuni's Auftreten für eine philosophische Begründung des Judenthnnis und der in Folge dessen ausgebrochene Kampf zwischen den Maimunisten oder Anhängern der Philosophie, und den Strengorthodoxen oder den nackten Kämpfern für die Buchstäblichkeit der Agada, ein eigenes Schriflthum erzeugt haben. Da beide Parteien auf Propaganda ausgingen, so mußten sie sich auf Autoritäten berufen, um ihren Ansichten einen festen Halt zu geben. Beide fabricirten daher Tendenzschriften, die sie gefeierten Namen aus der jüd. Vergangenheit unterschoben. Ein kritisch geü b t e s Auge erkennt d i e s c P s e u d o l i t e r a t u r auf b c n ersten Blick. Einen interessanten Beleg dafür liefert eine angebliche Korrespondenz zwischen Hai Gaon und Samuel Nagid über die Verderblichkeit der Philosophie . . ..Da dieses Stück ... Licht auf den pseudcpigraphischen Literaturkreis jener Zeit wirft, so soll es hier in extenso mitgetheilt werden." Es folgt nun das vollständige Sendschreiben nach Isaak aus Acco, und einige weitere Bemerkungen, die wir noch später zu betrachten haben, beschließen den Aufsatz. Trügt mich jedoch nicht Alles, so hat Hr. Grätz hier