Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 3 (1862) · p. Seite 211

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
3 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 211 (sequence 47)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2420973-2420974-2420977--0218-2421378
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Hai Gaon und die Philosophie. 211 dem Studium der Philosophie schlechthin einen Riegel vorzuschieben, die bedeutende Autorität Hai's in die Schranken rufen zu können. Der Erfolg ist nicht besser als ein Jahrhundert früher, und dennoch unterläßt der Schüler Addereth's, Isaak ans Aceo, es nicht, in seinem kabbalistischen Werke, wo er oft gegen die Philosophie zu Felde zieht, abermals Hai heraufzubeschwören und seine Worte (nicht wie alle Früheren blos die wesentlichste Stelle) in vollster Ausführlichkeit wiederzugebcn, wie sie uns nun Herr vr. Gr ätz aus einer Hvschr. des Men-ath C'najim mittheilt (Frankel's Monatsschrift 1862 Heft 1 S. 37 ff.). Später giebt die Hanptstelle daraus wieder Chabib (am oben a. O.), nachdem er Hai's Ausspruch über die thalm. Wunderberichtc mitgetheilt bat. Dieser blieb längere Zeit die einzige gedruckte Quelle, ans welcher Hai's Worte zugänglich waren, alle anderen Schriften waren noch handschriftlich geblieben, bis dann der Brief des Nachmanides 1629 aus einem Codex Joseph Delmedigo's durch den Druck verbreitet wurde. Der Herausgeber dieses Briefes wie anderer mannichfacher Schriften — mag er nun Delmedigo selbst oder der vorgeschobene Schüler Samuel beu Jehudah sein — war aber nicht etwa ein Gegner der Philosophie, vielmehr deren entschiedener Freund, und der Zweck seiner Veröffentlichungen war, wenn auch unter mancherlei Vorsicht und Vermummungen, deren Studium und Ansichten zu fördern. Ihm kam das starke Wort Hai's sehr ungelegen, und er erlaubte sich cs zu mildern, durch Hinzufügung einiger Worte dem Ausspruche den Sinn zu geben, daß Hai nur ein ausschließliches Studium der Philosophie verwerfe, sie jedoch in Verbindung mit Thalmudstndien geübt verlange. Auf diese Verschiedenheit zwischen Delmedigo's und Chabib's Text ward Rapoport aufmerksam, als er 1830 die Biographie Hai's schrieb, aber statt mit historischem Blicke das richtige Sachverhältniß zu entdecken, griff er begierig nach dem geänderten Texte Delm.'s, um auf schwankendem apologetischem Standpunkte Hai als Bundesgenossen statt zum charaktervollen Gegner zu haben. Als ich im I. 1840 die Biographie Delm.'s herausgab, wies ich das richtige Sachverhältniß nach, daß Nachmanides Hai's Worte gar nicht anders citirt haben konnte, als sie auch Chabib, so wie die unterdessen bekannt gewordenen Addereth und Abbamare, wiedergegcben haben, daß sie in der Delmedigo'schen Ausgabe absichtlich umgcdentet worden und daß eine Münchener Handschrift in Nachmanides' Briefe wirklich die Worte nicht hat, welche im Drucke hinzugefügt worden. Eine Saraval'sche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.