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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 3 (1862) · p. Seite 208

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
3 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 208 (sequence 44)
Language
German
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208 Journal-Revue. Im Orient war allerdings die Philosophie unter den Arabern schon viel früher heimisch geworden, und auch unter den dortigen Juden hatte sie seit Saadias, wenn auch in sehr harmloser und apologetischcr Form, Bürgerrecht erlangt. Allein schon sing dort der Geist an zu erlahmen, und Hai's Vorfahren, die zum großen Theile den Gaonstuhl eingenommen, hatten sich um Philosophie sehr wenig gekümmert, ihre Stimmung war weit mehr der Mystik zugekehrt. Auch Hai, zwar ein klarer Kopf, war den philosophischen Studien nicht geneigt; er will zwar nicht den Glauben an alle Wunderdinge, die der Thalmud erzählt, aufdrängen, es seien Dies keine die Nachachtuug heischenden Halachah's, allein er für seine Person findet darin nichts Auffallendes, daß Gott auch in späterer Zeit fromme Männer auf diese Weise auszeichne, Anstoß nimmt er aber an dem Verfahren, welches eben die Freunde der Philosophie eiuschlugeu, um eine Ausgleichung zwischen ihrer philosophischen Ueberzeuguug und den thalm. Berichten herzustcllen, nämlich diese in allegorischer Weise umzudcutcn (bei Chabib in En Jakob zu Chagigah c. 2). Natürlich ergriff Hai nun sehr gern die Gelegenheit, Samuel in diesem Sinne zu belehren. Der einzige Weg, schreibt er ihm, der zur Gottesfurcht und zu einem frommen Lebenswandel führt, ist die Beschäftigung mit Mischnah und Thalmud, jene s. g. Weisheit aber verwirrt nur, führt ab von der Uebung der Gebote und ist daher durchaus zu verwerfen. Will Dir Jemand einrcden, diese philosophischen Studien führten zur wahren Gottescrkenntniß und Gottesverehrung, traue ihnen nicht, sie reden nur Worte des Truges. Das habe sich in Bagdad gezeigt, die Philosophie habe sie zu Zweiflern gemacht, sie seien deshalb hier wie in Nordafrika von ihr abgegangen und wieder zum ausschließlichen Thalmudstudium zurückgekehrt. Auch Samuel Gaon — sein eigener Schwiegervater, mit dem Namen ben Chofni, der Gaon der andern Hochschule war, den er auch in dem früheren Sendschreiben als Freund der Philosophie bezeichnet und den wir auch sonst als solchen kennen — sei durch diese Erfahrung belehrt worden. Erfreulich ist es, fährt er fort, daß ein Mann Deines Geistes zu solch hoher Würde gelangt ist; um so weniger aber würde es Dir ziemen, in die verderblichen Wege zu gehen, auf den Nath derer zu Horen, die Dich in solche führen wollen. — Wir dürfen wohl annchmcn, daß Samuel die Ermahnung Hai's wohl beherzigte, auch daß er den Philosophen Gabirol das Uebelwollen empfinden ließ, das ihm der ihn überstrahlende Dichter Gabirol einflößtc; allein

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