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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 3 (1862) · p. Seite 193

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
3 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 193 (sequence 29)
Language
German
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Haarbrücker: Tanchum. 193 jedoch, daß wir einmal eine Ausgabe erhalten, die auf die verhältnißmäßig ursprünglichen Lesarten zurückgeht, dürste sehr schwach sein. Eine Münchener Handschrift, die eine Sammlung sehr seltener untergeschobener Schriften voll des buntesten mittelalterlichen Unstnns enthält, bietet Steinschneider (4) die Handhaben, sich über den Zusammenhang dieser Schriften mit der ganzen mittelalterlichen pseudepigraphischen Literatur auszusprechen, deren Strom sich besonders in die Kabbalah ergossen hat. Die Masse gelehrten Materials und der daraus gezogenen Erkenntnisse kann in keinem Auszüge mitgctheilt werden. Unter Anderem ersehen wir daraus, wie der mittelalterliche Aberglaube durchaus nicht wählerisch war und die verschiedenen Religionen leichter diesen von einander annahmen als Wahr- Heiken. Wie heute noch unter Juden die Scheu besteht, zu 13 Personen zu Tische zu sitzen, weil Jesus mit den 12 Aposteln beim Mahle sitzend, bemerkte, Einer von ihnen, und zwar er selbst, werde sterben u. dgl., so nahm der jüdische mittelalterliche Talismanglaube keinen Anstand, gegen jedes Fieber ein Pergament- oder Zinn-Blättchen zu empfehlen, worauf die Namen der heiligen drei Könige — derer, welche das Kind Jesus zu begrüßen vom Morgenlande gekommen —, das an die Stelle, wo die Thesillin gelegt werden, geknüpft werden soll (S. 13)! Thanchum, ein arab. schreibender Bibelerklärer und Lexikograph der Mischnah um die Mitte des 13. Jahrh. im Orient, theilte das Schicksal, daß sein Name und seine Schriften vergessen wurden, mit vielen seiner Zeit- und Landcsgenossen. Er wie sie verdienten ein solches Schicksal nicht, aber der rasch eintretende Verfall aller Bildüng im Orient und die Unbekanntschaft Europa's mit der arab. Sprache verschüttete die Werke. So taucht denn nirgends der Name oder eine Schrift Thanchum's auf, bis Pococke ihn im Morgenlande auffand und mehrfach auf ihn aufmerksam machte. Schnurrer machte sich dann bei seinem Aufenthalte in Oxford eine Abschrift von einem Theile seiner Werke und gab den Comment. zu den 12 ersten Capiteln der Richter 1791 heraus. Schnurrer's Abschrift kam in die Hände Gesenius', der sie vielfach benützte, und aus seinem Nachlasse gab schon 1843 Haarbrücker eine Auswahl von Stellen zu Richter 13 bis Ende heraus, dem er das Jahr darauf eine ahnliche zu Samuel und Königen folgen ließ. Um dieselbe Zeit gab auch Munk den Comm. zu Habakuk und Cure ton den zu Klageliedern heraus, und wenn wir auch von Th. heute kaum mehr etwas

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