Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 3 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2420973-2420974-2420977--0198-2421358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sprenger: Mohammad. 191 mit seiner Reinheit als sündhafte Selbstüberhebung entgegengeschleudert wird. Genug, Mohammed war Anfangs ein Jünger des Hanifenthums, der alten nach Arabien sich ausbreitcnden aramäischen Religion, die aber, ohne ihre früheren Ansichten und Gebräuche auszuschciden, Lehren und Erzählungen des Judenthums ausgenommen, hingegen Christliches entschieden abgewehrt hatte. Allmälig glaubte er sich berufen, selbstständig aufzutreten, glaubte er den Propheten in sich zu verspüren, der unmittelbar von Gott seine Offenbarungen empfangen habe und empfange; so emancipirte er sich vom Hanifen- und vom Judeuthmne umsomehr, als er bei den Anhängern dieser Neligion nicht die Anerkennung fand, die er von ihnen erwartete. Dies bewirkte nicht blos eine geänderte politische Stellung gegen dieselben, sondern auch eine Modisication seiner religiösen Anschauungen. Die früher bereits verkündeten Lehren wie Geschichten erbalten sich zwar, aber sie nehmen doch ein eigenthumliches Gepräge an. Mit dieser Geschichte der ersten Entwickelung des Islam beginnt der Verf. sich schon in diesem Bande zu beschäftigen; besonders aber wird diese Betrachtung die Aufgabe der folgenden Bände sein, in welchen die Zeit für die einzelnen Suren des Korans genauer bestimmt und die Schritt vor Schritt in Mohammed vorgehende Entwickelung schärfer beleuchtet werden soll. In diesem Bande beschäftigt sich der Verf. mehr mit der Jugend, Umgebung und dem ersten Auftreten Mohammed's, prüft die späteren Berichte hierüber, indem er das Material mit erschöpfender Vollständigkeit darlegt und die enthusiastischen Uebertreibungen der Verherrlicher Mohammed's mit nüchternem Blicke auflöst. Es fehlt hier nicht an feinen Bemerkungen, sowie die Massenhafte Gelehrsamkeit unsere Kenntniß dieser Zustände oder vielmehr der Berichte über diese Zustände ungemein bereichert. Doch können wir Hrn. Sprenger auf dieses Gebiet nicht folgen, und es ist angemessener, von ihm zu lernen, als sich, an Einzelnes heftend, dem tiefcingewcihten Meister entgegeüzutreten. So sehen wir denn der Entwickelung in den folgenden Bänden mit Begierde entgegen, die uns die volle Lösung des großartigen welthistorischen Problems bringen werden. 25. April.