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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 3 (1862) · p. Seite 173

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
3 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 173 (sequence 9)
Language
German
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1. Die Rabbiner der Gegenwart. 173 da wuchert sie nun mittelalterlich fort. Und das kann euch befriedigen? Ueberall wollt ihr, als Juden, innerhalb des Lebens stehen, wollt empfangen und spenden, wollt Juden und Judenthum anerkannt wissen. Ihr aber erkennt euch selbst nicht als Juden an, denn ihr betrachtet euer Leben als unjüdisch, betrachtet das Judenthum als außer euch befindlich. Ihr selbst aber lasset das Judenthum als eine vertrocknete Mumie zur Seite liegen, wollt es außer allem Zusammenhänge mit dem Leben, nüt dessen herrschenden Geistesmachten lassen. Ihr wollt Schranken nicdergerissen sehen, und bewahret im Innern die allermorschesten Schranken. Ihr sprecht dagegen, daß man euch absondere, daß man mittelalterliches Unrecht an euch übe, und bewahret selbst das Mittelalter eifrig, fraget nicht danach, ob die Lehrer )!nd Führer der Gemeinden auch vom befreienden Geiste erfüllt sind. Ihr lächelt oder seid entrüstet ob der Vorurtheile, die gegen euch herrschen, und schonet zärtlich die Vorurtheile in eurer Mitte. Ihr verlanget, daß auch Andere für euch kämpfen, ihr aber scheuet im Innern jeden Kamps selbst um das edelste Gut wahrer Religiosität und lasset lieber den Unsinn walten. Ist das Geistesleben, ist das geistige Freiheit, innerliche Durchbildung? Ihr erziehet die Rabbiner, nicht ein Seminar. Ihr habt sie erzogen, habt sie verkrüppelt, sie erniedrigt zu Handlangern des Herkommcns. Wundert ihr euch nun, wenn sie als solche erscheinen und sich dessen rühmen, solche Handlanger zu sein? Soll das wirklich das Ende des Judenthums sein, seines dreitausendjährigen Kampfes? Und zu Grunde gehen müßte es daran. Solch innerer Zwiespalt, solche Lügenhaftigkeit durchhöhlt selbst Mächte mit festem äußerem Bestände, wie viel mehr das Judenthum, das nur in seiner geistigen Frische seine Bürgschaft hat. Eine Religion der Minorität, eine Religion, die nicht im ganzen Staatsleben wurzelt, so daß sie von diesem getragen wird, die nur aus sich selbst ihre Nahrung zieht, eine Religion, die um erhöhten Einfluß ringen muß, erhält sich nur, wenn sie sich auf der Höhe des geistigen Lebens erhält, wenn sie voran geht im Kampfe der Geister, wenn sie durch Gediegenheit und Innerlichkeit die Gemüther festigt, durch Wissenschaftlichkeit und Freiheit auch die Geister der außerhalb Stehenden bewältigt. Im Mittelälter war wenigstens immer nach Innen ein ganzes, straffes Wesen, und im Mittelälter liebäugelte der Blick

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