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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 2 (1862) · p. Seite 162

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
2 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 162 (sequence 78)
Language
German
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162 Journal-Nevue. erneute Antriebe darbieten. Einen Theil dieser Annahmen — natürlich mit Ausnahme der Menschwerdung Gottes — hat freilich das damalige Judenthum den Begründern der christlichen Lehre geliefert, gerade so wie sie auch die dialectische Symbolik, einen zweiten Krebsschaden, mit dem besonders Paulus — dem sonst der „freie Geist und der erweiterte Gesichtspunkt" nicht abgesprochen werden soll — in seinen Briefen behaftet ist, der damaligen jüdischen Schulweisheit verdanken. Allein für das Judenthum sind jeue Annahmen neben einer mannichfaltigen Anzahl anderer aus ganz anderem Geiste geborener niemals grundlegend gewesen und wurden fte oft und werden sie nun als Erzeugnisse einer sagenhaften Zeit betrachtet, die mit dieser selbst längst dahingegangen sind. In gleicher Weise hat die symbolisirende Methode keine andere Autorität, als diejenige, welche ein Jeder ihr beizulegen für gut findet; sie galt in einer Zeit, wo man sich nicht kritisch mit dem Inhalte der h. S. auseinanderzusetzen und die zeitliche Hülle von dem ewigen Gehalte zu sondern verstand, für uns ist sie eine beachtenswerthe, für ihre Zeit heilsame, auch heute noch in mancher Weise brauchbare, ohne daß sie uns im Geringsten beengte, und selbst die Orthodoxie geht über Vieles, als aggadisch und minder vollwichtig, gleichgültig hinweg. Anders ist es im Christenthum. Es hat den zeitlichen Durchgangspuukt, in welchem sich damals das Judenthum befand, zu einem ewigen und dauernden umgestempelt, die damaligen unreifen Vorstellungen sind zu göttlichen Offenbarungen erhoben worden, und zwar sind ihm diese, in Evangelien, Episteln und Apokalypse niedergelegt, es noch in eminenterem Sinne als die in der hebr. Bibel verkündeten; es wird uns von der christl. Theologie aller Parteien und Schattirungen zum Uebcrdruffe wiederholt, daß „das A. T. blos ein Buch der Erziehung auf Jesus hin, die ganze Geschichte des vorausgehenden Reiches Gottes eine bloße Vorbereitung für das Christenthum war, daß in diesem die Erfüllung, die volle und lautere Wahrheit gegeben ist." Wie soll nun da dem Gläubigen zugemuthet werden, in dieser ganz vorzugsweise von der Vorsehung ausersehenen Heilsanstalt, über die Nichts hinausgehen kann und darf, in diesen alle Weisheit in sich fassenden, alle vorausgegaugenen Kinderstufen zur vollen Höhe edelster Mannesreife erhebenden Büchern wiederum Vorstellungen anzunehmen, die blos Ausgeburten der Unreife seien, die, wenn sie nicht mehr als göttliche Wahrheit verehrt werden, als kindisch zu betrachten sind? An diesem tiefen inneren Widerspruche krankt die

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