Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Hnpfeld: Die heutige Schrifterklärnng. 161 man nur Hrn. H. beistimmen, daß „diese Richtung eines der bedenklichsten Zeichen der Zeit ist und eine der gefährlichsten Verirrungen, die es in Theologie und Philosophie gegeben hat". Die kleine Schrift, der wir allerdings eine umfangreichere, Anfangs vom Verf. beabsichtigte Ausdehnung, wie sic der Bedeutsamkeit und der Größe der Aufgabe entspricht, gewünscht hätten, verdient auch in ihrer gegenwärtigen knappen Haltung die vollste Beachtung aller derer, die eine weitverbreitete Richtung der Zeit kennen lernen und eine gediegene Anleitung zu deren gerechter Würdigung erhalten wollen, namentlich auch der jüd. Theologen, da cs sich ausschließlich um die Erklärung der hebr. Bibel handelt. Die Kürze der Behandlung gestattet keinen Auszug; doch mögen wir es nicht unterlassen, eine uns wichtig scheinende Bemerkung anzuknüpfen. Mit dieser Verirrung der „theosophischen oder mythologischen" Schrifterklärung, wie sie H. nennt, oder der symbolisirenden Methode, welche bald einzelne menschliche Vorgänge zu allgemeinen geistigen mit welthistorischer Macht eingreifenden Potenzen erhebt, bald philosophische Abstractionen als reale Geschichtswahrheiten hinstcllt, in einem ewigen Schweben zwischen Sinnlichem und Geistigem und in dem Ueberfließen beider in einander sich bewegt — mit dieser Verirrung ist, meines Bedünkens, das Christenthum alsbald bei seiner Geburt behaftet in die Welt getreten, und ich fürchte, es wird dieses ihm inhärirende Merkmal, diese seine Natur nicht ablegen können. Wenn Johannes — oder wer in seinem Namen geschrieben — das Geschöpf der alexandrinischen Philosophie, den Logos (das Wort) und dessen Fleischwerdung zur Grundlage seiner Erzählung von Jesus macht, so ist es ganz natürlich, daß die „Menschwerdung Gottes" nicht blos als ein einmaliges vollendetes geschichtliches Factum in der christl. Theologie der Mittelpunkt der ganzen Weltgeschichte wird, sondern daß sie selbst auch ihre Geschichte hat, unvollendete Versuche, wo diese Menschwerdung nicht genügend zu Stande kam und bald trotzige „Göttersöhne", bald bösartige Geister, Dämonen und gefallene Engel dadurch in die Welt traten und in. derselben eine eingreifende Wirksamkeit ausüben. Dazu mußten die vielen Geschichten in den harmonischen Evangelien und der Apostelgeschichte von Austreibung der Dämonen, die Ermahnung in den Episteln und die Zuversicht zur Kraft des Glaubens, solche Austreibung verrichten zu können, die durch die Episteln verbürgte Annahme von gefallenen Engeln, die Geschichte von der Versuchung Jesu durch den Teufel