Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Journal-Revue. manche abenteuerliche Vermuthung an. Wenn nämlich, meint L., das Buch wirklich späteren Ursprungs ist, so durste der Vers., wenn er ein redlicher Manu gewesen, sich nicht als „Sohn David's, König in Jerusalem", bezeichnen, wollte er aber in unredlicher Weise sein Buch dem Salomo unterschieben, so mußte er sich einfach dieses Namens und nicht eines singirtcn und in seiner Bedeutung unsicher« „Kohclcth" bedienen. Hier hat nun L. die historische Kritik verlassen. Die Katcgorieen von Redlichkeit und Unredlichkeit passen hier durchaus nicht. Im Alterthum hat man, wie wir schon bemerkt, Schriften ohne Arg früheren Männern bcigelegt, im vollen Glauben, in ihrem Geiste und hiemit auch gewissermaßen in ihrem Aufträge zu schreiben; wenn der Verfasser des Kohcleth Dies gleichfalls that, so that er cs in voller Redlichkeit, und wenn er dennoch den Namen Salomo's selbst mied und statt dessen Kohclcth wählte, so geschah Dies im Gcschmackc seiner Zeit, welcher die symbolischen Namen liebte, was wohl derselbe Fall ist bei „Agnr ben Jakeh" (Spr. 30, 1). L. jedoch fühlt sich durch dieses sein Bedenken zu einer andern Hypothese getrieben. Der späte Verfasser, sagt er, hat wirklich überall, wo wir jetzt „Kohclcth" lesen, den Namen Salomo's selbst geschrieben und hatte die trügerische Absicht, sein Buch diesem weisen Könige unterzuschiebcn; allein die Gelehrten der damaligen Zeit entdeckten diesen Betrug, sic erkannten den wahren Verfasser, ihn, der mit seinem wahren Eigennamen Kohclcth hieß, und so strichen sic überall Salomo und setzten dafür Kohclcth, um dem Volke den ^wahren Verfasser anzugeben, die anderen Bezeichnungen aber, welche blos Salomo eigneten, wie „Sohn David's, König in Jerusalem" und Achnliches, ließen sie absichtlich stehen, um den ertappten Betrüger durch den Purpur, den er sich fälschlich angemaßt, dem Gespötte des Volkes preiszngcben. Und mit einem solchen Buche hätten dann erst die Alten Aenderungen vorgenommcn, um seinen Inhalt in frommem Sinne herzustcllcn, sic hätten nicht vielmehr dem Betrüger seine ketzerischen Ansichten gelassen, um ihn in seiner ganzen Verworfenheit bloßzustellen? Ein solches Buch hätten sie nicht wirklich vergraben, hätten ihre Absicht dazu nicht wirklich ausgeführt, wie sie es doch mit manchem unschuldigeren, wie Sirach*), gethan? Ein solches Buch, das von vornherein erkannt worden als im Be- *) Ueber Sirach vergl. meine Abhandlung in der Zeitschr. d. deutschen morgenl. Gesellschaft B. XII. S. 536 ff.