Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Chronik und Koheleth. 159 trüge geboren, als mit ketzerischen Ansichten erfüllt, dem der Stempel der Lächerlichkeit aufgedrückt worden, hatte das Ansehen eines heiligen erlangen und sich darin behaupten können? Gerade der wichtige Umstand, daß man den Verfasser als verkappten Betrüger erkannt habe, wäre von der Tradition vergessen oder übergangen worden, während sie die einzelnen Bedenken festgestellt hätte? Diese Abenteuerlichkeiten möge uns L. nicht zumuthen, und zum Glücke bedürfen wir ihrer, wie gesagt, auch nicht. Ob L. noch heute, nach einem vollen Menschenalter, an diesen und daran sich anschließenden*) Ausgeburten einer unreifen Asterkritik festhält, weiß ich nicht. Er selbst sagt, einleitend zu seiner Mittheilung, er theile gegenwärtig nicht mehr alle seine früheren Ansichten, manche Erklärungen in seinem Commentare seien ihm nicht mehr wahrscheinlich, an manchen zweifle er, im Allgemeinen stehe ihm jetzt das Buch Koheleth höher als ehemals. Jedenfalls aber läßt sich erwarten, das; der Commen- Lar selbst — denn bis jetzt ist blos die Einleitung veröffentlicht — noch manchen guten Wink enthält, und ist daher auch dessen Mitth eilmt g wünsch cnsw erth. Soviel aber erkennen wir, daß ein Verkennen der richtigen Grundsätze der Kritik, der Mangel an der Fähigkeit, sich in die Anschauung der alten Zeit zu versetzen, das Anlegen heutiger Maßstäbe an diese, den Standpunkt zur Bcurtheilung des Wcrthes jener alten Bücher Verrückt. Koheleth ist ein werthvoller Ueberrest aus dem Alterthume, und wir stimmen keineswegs in das Urtheil L.'s ein: ״Ick) rühme den, der es hat vergraben wollen, und hätten ihn seine Genossen in der Ausführung unterstützen sollen!" Wir freuen uns des Buches mit seinen kräftigen Sentenzen, wir nehmen keinen Anstoß daran, zu erfahren, daß die trübe Zeit bedenkliche Zweifel angeregt, die aber doch schon in dem Vers, selbst von der gläubigen Gesinnung gedämpft, bald aber von der unmittelbar folgenden Zeit in Ueberein- *) Dahin gehört, daß der Vers, das Urtheil über das Weib 7, 26 ff. der Mutter Salomo's Bath-Seba beigelegt und ihren Namen V- 27 auch geradezu hingesetzt habe, wofür wieder die Zeitgenossen Koheleth gesetzt, aber das Fem. gelassen, gerade um den ursprünglichen Betrug im Andenken zu erhalten; ebenso habe er 12, 8 etwa המלך החכם geschrieben, die Zeitgenossen corrigirten es wieder in Koheleth, ließen aber aus gleichem Motive den Artikel! Ferner daß die 19 hinzugefügten Worte die Veranlassung zu den dann falsch aufgefaßten 18, resp. 19 ״Likkun Soserim" in der ganzen h. S. gegeben hätten!