Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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Chronik und Koheleth. 157 Jedoch entfernen wir uns von den bleichen Resultaten der schwindsüchtigen neueren orthodoxen Dogmatik und gehen wir zu einer gesunderen Betrachtung des Buches über, wie sie von Luzzatto angestellt wird. L. ist ein Mann von feinstem kritischem Sprachgefühle, solange er sich nicht den Blick durch ein engherziges apologetisches Streben trüben läßt. Er theilt im dritten Bande der hebräischen periodischen Schrift „Ozar nechmad" (Wien 1860) S. 17—25 seine Einleitung zum Koheleth-Commcntare mit, die er 1821 — also bereits vor 40 Jahren, da er ein Llja'hriger Jüngling war — niedergeschrieben, und dieselbe ist nicht blos in einem höchst ansprechenden Hebräisch — jener dem Arabischen nachgeahmten Reimprosa der Spanier — geschrieben, sondern sie enthält auch kernige, gesunde Ansichten. Er sieht bald, daß die ganze Anschauung des Buches von den Erklärern gewaltsam zu ihm fernliegenden moralischen und religiösen Reflexionen umgcdeutct werde, daß weder die ganze Lebensbetrachtung, noch auch die Sprache des Buches zu Salomo passe, sondern einen späteren Verfasser bezeuge, der am Anfänge des zweiten Tempels gelebt. Er fand aber auch, daß an fünf Stetten Correcturen, an noch mehreren aber Vocal- und Accentänderungen vorgenommen werden müssen, was seine volle Rechtfertigung darin habe, daß er erkannt, man habe ehedem geflissentlich die ursprünglichen Worte des Verfassers etwas geändert, um einen den allgemeinen Anforderungen entsprechenderen, aber mit dem ganzen Zusammenhänge des Buches streitenden Sinn herauszubringen. Diese Erkenutniß führte ihn nun auch zu der ingeniösen Entdeckung, die wir bereits ob. S. 153 f. mitgctheilt, daß 11, 9. 12, 1 und 7 ganze Sätze — zusammen 19 Worte — eingeschaltet sind, um die Aufforderung zum sinnlichen Lebensgenüsse in der Jugend, da dieselbe mit dem ganzen Leben doch vergänglich sei und der Mensch dann wieder zum Staube werde, zu mildern. Dieser klaren Auffassung schließt sich auch freilich ihm durch dieselbe vorgezeichnete Lebensaufgabe, er verfolgt die Gedanken derselben in ihre Consequenzen 2c.", und wird dann als selbstverständlich bemerkt, daß „hierher die Proverbien, der Koheleth und etwa auch das Buch Hiob zu zählen sind". Endlich wird auch für Geschichtliches „die eigentliche Inspiration nur angenommen werden dürfen als sich beziehend auf das Tharsächliche der in die Geschichte eingehenden Offenbarung". Für „die Einkleidung, die Geschichte, in welche die göttliche Mittheilung verflochten war, wird sich zwar die erhöhte Geisteskraft auch nicht verleugnen", aber die eigentliche Inspiration bezieht sich auf sie nicht.