Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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Chronik und Koheleth. 155 dendenr Einflüsse gewesen sein. An solcher Beilegung nahm die alte Zeit, die ihr Eigenes auch auf das früheste Alterthum zurückführte, keinen Anstoß; ihr kam es auf den Inhalt, nicht auf die Einkleidung an. Gerade diese Frage aber ist nunmehr in den Vordergrund getreten. Das Buch selbst hatte sich im Laufe der Zeit in seinem kanonischen Ansehn unerschütterlich befestigt; seine Kernsprüche sichern ihm seinen Platz, das Anstößigste ist emcndirt, und die Unsicherheit des Standpunktes, die sich darin offenbart, suchte die Exegese künstlich zu verdecken. Allein nun kam die mit philologischen und historischen Hülfsmittcln ausgerüstete und auf solche Punkte besonders aufmerksame Kritik und rüttelte an dein Alter des Buches. Dessen Sprache, fand man, gehöre der Zeit des tiefsten Verfalles an, wo das Hebräische von dem Einflüsse des Aramäismns fast überwältigt war, die trüben Zeitverhältiüsse, die sich im Buche überall wiederspiegeln, weisen auf die persische Zeit hin, und ihr entspreche die darin herrschende gedrückte Stimmung. Das Buch muß demnach viel später und kann nicht von Salomo abgefaßt sein. Kann nun nach dieser Voraussetzung das Buch kanonisch sein nach dem alten Begriffe des Wortes, ist es berechtigt als ein heiliges zu gelten, wenn sein später Verfasser sich einen alten hochverehrten Namen anmaßt? Es ist ein Zeichen, daß unsere heutige Orthodoxie gar nicht die volle Ganzheit in sich trägt, wenn sie sich von diesem Bedenken quälen läßt. Konnte nicht der heilige Geist das Buch ebenso gut in späthebräischer Sprache wie im Althebräischen dem Salomo dictiren, konnte er cs nicht für die spätere Zeit bestimmen und deren Verhältnisse zum Substrate der Betrachtung wählen, oder konnte er nicht die Gedanken, welche Salomo gehabt, dem spätern Verfasser eingcben, so daß die Worte mit vollem Rechte als die Salomo's dargestellt wurden? Allein unsere heutige Orthodoxie ist nun einmal von den neueren wissenschaftlichen Anschauungen zu sehr erfüllt und durch sie zersetzt, als daß sie so ohne Weiteres vor den kritischen Zweifeln ihre Augen schließen könnte; selbst Hengsten borg giebt die Abfassung durch Salomo auf und glaubt, der spätere Verfasser laffe Salomo nur in idealer Weise als Repräsentanten der Weisheit reden. Das ist jedoch eine Umschreibung des kritischen Gedankens, an der sich die Orthodoxie nicht genügen lassen kann. Muthiger ging der verstorbene Hahn in Greifswalde zu Werke, wenn er in seinem 1860 erschienenen Commentare behauptet — um es mit den Worten des Referenten in Rudclbach und Gnericke's Zeitschrift für