Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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154 Journal-Revue. lautete die Stelle: Freue dich, Jüngling rc. und gehe rc. nach dem Blicke deiner Augen . . . und thne ab Unmuth aus deinem Herzen und entferne Böses von deinem Fleische, denn die Jugend und die Morgcnzcit ist vergänglich . . ., bevor daß kommen die Tage des Bosen und die Jahre herannahcn, von denen du sagest: ich habe nicht Wohlgefallen an ihnen, und nach ausführlicher Beschreibung der Beschwerden und der Gcnußunfähigkeit des Alters schließt die Stelle mit den Worten: und es kehrt der Staub zur Erde zurück wie er gewesen. Diese Aufforderung zum rein stnnlichen Lebensgenüsse, so lauge man dafür empfänglich sei, und der nackte Schluß mit dem körperlichen Tode erregte den Widerspruch, und während man einerseits dem Buche deshalb den Rücken kehrte, suchte man andererseits durch Einschiebungen den Sinn zu mildern, ja ihn fast in's Gegenthcil umzukehrcn. Wo wir die Punkte zuerst setzten, schaltete man ein: Und wisse, daß um alles Dieses rc.; wo die Punkte zum zweiten Male stehen, fügte man (12, 1) ein: Und gedenke deines Schöpfers in deinen Jünglingstagen, und den Schluß ergänzte man (12, 7) mit den Worten: Und der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben. Die Schule Schammai's, die überhaupt mehr am Alten fcsthiclt, hielt auch die alte Abneigung gegen das Buch aufrecht, die Hillel's begnügte stch mit der vorgenommcnen Aenderung und brachte das Buch zu Ehren. Daß eine solche Aenderung vorgenommen worden, schwand bald aus der späteren Erinnerung, und nur in den Worten der Aboth Nathan's, einer zwar späten Quelle, die aber doch viele alte Traditionen aufbewahrt, mag noch eine Andeutung daran vorhanden sein; allein die geschichtliche Thatsachc, daß man das Buch aus der Anzahl der heiligen Schriften entfernen wollte, blieb bekannt. Was dachten aber die Alten über den Verfasser? Schreiben ste das Buch auch dann, wenn sie es als verwerflich ansehcn, Salomo zu oder legten sie cs einem Späteren bei, der sich seines Namens bediente? Wie cs scheint, zogen die Alten diese Frage gar nicht in Erwägung. Kritische Fragen der Art lagen ganz außer ihrem Bereiche; sie fragten, ob Salomo als einfacher Mensch, der Irriges denken konnte, oder unter dem Einflüsse des heiligen Geistes das Buch geschrieben habe. Einem Zweifel an der Abfassung durch Salomo begegnen wir daher nicht im Alterthume, und selbst wenn sie vermuthet hätten, ein Späterer hätte unter seinem Namen geschrieben, so würde ihnen diese Vermuthung für das Buch nicht von entschei-