Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Chronik und Koheleth. 153 habe Anfangs gesagt, Sprüche (worüber auch Schabb. 30 b), HL. und Koheleth seien apokryph, man habe sie nämlich als bloße Gleichnißreden, nicht zu den Hagiographen gehörig, bezeichnet und sie deshalb beseitigt, die Männer der großen Synode aber hätten sie dann erklärt, und wird für Koheleth wiederum auf 11, 9 als Anstoß erregende Stelle aufmerksam gemacht. Diese geschichtlichen Nachrichten über die Bedenken der alten Zeit gegen Koheleth sind offenbar durch dessen Inhalt entstanden und gerechtfertigt. Koheleth's finstere Lebensanschauung, die ein freudiges Streben nach geistigen Gütern nicht aufkommen und bloß die berechnende irdische Klugheit gelten läßt, mußte schon allein als unverträglich mit der ideellen Anschauung des Judenthums erscheinen; dazu kam aber noch seine bedenkliche Haltung in einem wichtigen dogmatischen Punkte, der die jüdischen Parteien trennte. Der Vers., zu der Zeit lebend, als der Glaube an die Unsterblichkeit lebendiger in's Bewußtsein trat, verhält sich gegen denselben sehr kühl und begründet seine Betrachtungen ausschließlich auf das Erdendasein, an dem er gerade die Vergänglichkeit, wo dann Alles aus ist, wie die Wandelbarkeit seiner Güter als ein übeles und quälendes Ding betrachtet. Besonders mußten, als der Pharisäismus, gegenüber dem Sadducäismus, das Fortleben nach dem Tode entschieden betonte, zwei Stellen sehr anstößig sein. Die eine, weil blos zweifelnd gehalten, scheint nicht einmal so ernst genommen worden zu sein, nämlich 3, 21: Wer weiß, ob (העולה) der Geist der Menschensöhne hinaufsteigt nach oben und ob (ךוירדת) der Geist des Viehes herniedersteigt nach unten zur Erde. Man mochte es ihm als ein bloßes Nichtwissen übersehen, und erst die Punctatoren suchten den Zweifel in eine positive Gewißheit umzuwandeln durch die Aenderung der Vocalisiruug: העו^ה und חירדת (vgl. Urschrift S. 175). Um so mehr aber fühlte man sich durch die Stelle 1!,9ff. verletzt. Zwar wie wir dieselbe jetzt lesen, mag das harte Urtheil der Alten auffallen, wie es denn auch den Commentatoren des Midrasch auffallend war. Wie kann, sagen sie, in der Stelle Ketzerisches gesunden werden, da sich doch unmittelbar die Worte anschtießen: Und wisse, daß um alles Dieses Gott dich in's Gericht bringen wird. Allein, wie Luzzatto richtig bemerkt — worüber später — sind gerade diese Worte wie noch andere im Verfolge offenbar ein späterer Zusatz, welcher eben den Anstoß zu beseitigen bestimmt war. Ursprünglich