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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 2 (1862) · p. Seite 144

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
2 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 144 (sequence 60)
Language
German
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144 Necensionen. Ein Maimonides, mit dem ihn seine jüdischen Verehrer so gerne zusammenstellten, war Mendelssohn nicht. Jener ließ sein ganzes Leben hindurch alle quälenden Zweifel auf sich einstürmen, bekämpfte sie und führte, von solchem inneren Drange getrieben, auch seine Zeitgenossen muthig in diesen Kampf, und wenn längst seine Lösungen als unbefriedigend beseitigt sein werden, wie sie es im Grunde jetzt schon sind, wird sein muthigcs Ringen immer noch voranleuchten und zu energischem Denken anrcgen. Mendelssohn mied äugstlich die Zweifel, und noch um so ängstlicher mied er cs, solche zu erwecken. Und dennoch ward er in den Kampf hineingezogen, und es wäre Dies immer mehr geschehen, wenn er länger am Leben geblieben wäre. Wo er im Gefühle verletzter guter Sitte den Kampf von sich weisen konnte, wie gegen Lavatcr, da steht er in der vollen Größe seiner persönlichen Würde da. Wo er hingegen sich in denselben begiebt, wie im ״Jerusalem" und in den ״Morgenstunden", da ist er unzulänglich. Die Lösungen im ״Jerusalem" befriedigten alsbald Keinen und umsoweniger konnten sie begeistern, etwa wie des Maimonides ״Führer der Verirrten" einen Sturm der Begcisterung wach rief. Denn Mendelssohn war für das Judenthum weder ein practischcr noch ein ideeller Reformator, seine Wirksamkeit war die seiner Persönlichkeit, und diese wirkte umsomehr, als sie sich scheinbar von dem Charakteristischen des damaligen Juden so wenig wie möglich unterschied. Und darauf hielt er. Er that es wohl, wie auch Veit fein herausfühlt, um den Juden und Christen gegenüber die Verträglichkeit des damaligen Inden mit dem durchgcbildcten Menschen an sich darzustcllcn und dadurch jene zur Bildung, diese zur Duldung zu erziehen. Er that es aber auch sicher aus Liebe zur ungefährdeten Ruhe. So beruhigte er sich denn auch practisch wie ideell bei den Ccrcmoniecn, suchte ihnen irgendwie eine Berechtigung anzuwcisen, wo sie dem Denken gar nicht zu begegnen hatten. Wenn er dennoch auf Juden und Judenthum mächtig wirkte, so wirkte er, wie gesagt, als bedeutender Mensch, eben durch seiu Beispiel, wie durch seinen feinen ästhetischen Sinn. Dieser nämlich führte ihn zu einer nüchternen Erfassung der Bibel, wie zu einer Würdigung ihrer poetischen Schönheiten. Diesen Weg führte er auch seine Zeitgenossen, und so schloß sich ihm die Schule der ״Binristen" an. Aber zu einer tieferen Erfassung des Bibelwortes, zu einer kritischen Erkenntniß gelangte er selbst nicht und konnte er umsoweniger anleitcn.

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